In der Rubrik Fundstücke präsentieren wir in jeder Neuland-Ausgabe einige Web-Trouvaillen und Kulturtipps, die uns speziell am Herzen liegen. Aktuell, vergangen, kurios, witzig, liebenswert, poetisch, interessant, katastrophal, aufgelesen oder zufällig – die Fundstücke laden Sie ein, in andere Welten abzutauchen.
Gipfeldebatten

Fernab von Facebook und Twitter finden auch in den Bergen politische Diskussionen zu aktuellen Themen statt – und zwar in den Gipfelbüchern.
Auszüge aus einem Gipfelbuch, das an einem Aussichtspunkt zwischen dem Militärflugplatz Meiringen und dem Fliegerschiessplatz Axalp für die Wanderer bereit liegt.
22.9.2011
Leichte Schleierbewölkung, sonst alles comme il faut.
Auffallend herrliche Stille vor dem Sturm anfangs Oktober (Anm. d. Red.: dann findet auf der Axalp die Militär-Flugshow statt).
Wenn doch die Scharfflieger nicht wären! Der Feind kommt heute nicht von aussen, sondern von all den vermeintlichen „Vaterlandverteidigern“ und „Militärköpfen“! Es gilt heute, die Herrschaft des Pöbels und des Kapitals einiger weniger der sogenannten Volkspartei ganz entschieden zu bekämpfen. Also gegen die Ochlokratie und Plutokratie der SVP!
Bernhard und Julika
24.9.2011
Solche Einträge gehören nicht ins Gipfelbuch! (obenstehender Eintrag wurde durchgestrichen)
23.7.2012
Unterhalb des Gipfels wunderbare Blumenwelt! Hier oben von den Schafen alles verschissen und Blumen ausgerottet!
Wann hört dieser mit Steuergeldern subventionierter Blödsinn auf? Wolf komm bitte!
Peter, Remo und Hanna
31. 7. 2012
Herrliches Wetter, ein paar kleine Wolken… Der Wolf hat die Schafe noch nicht geholt. Der Eisenhut gibt sich alle Mühe, in den nächsten Tagen doch noch zu blühen.
Fliegen und Flieger hat es allerlei – aber: Wir freuen uns an der herrlichen Rundsicht!
Susanne, Rolf und Bergamasker Hund Merlo
31.7.2012
Schwarzes Schaf hat es auch geschafft!
Es ist wunderschön hier! Was es nur noch braucht ist ein Fliegerabwehrsystem…
Helen und Max
Herrlicher Sternenhimmel

Sternenhimmel und Matterhorn. Foto: Alessandro Della Bella
Mir hat es der herrliche Sternenhimmel angetan: einfach wunderbar wie die Milliarden von Sternen zum Leben erwachen. Das Verdienst kommt dem Fotografen Alessandro Della Bella (Jg. 1978) zu. Bei eisigen Temperaturen hat er Bild um Bild auf unseren Berggipfeln mit seiner Fotokamera eingefangen und zu einem kleinen feinen Film «Helvetia by night» montiert. Am 25. Oktober war Premiere im Zürcher Kino «Xenix». Für alle, die das Event verpasst haben, hier der Link zum Film. Anschauen und geniessen!
Judith Stofer
DAS TAGEBUCH DES TOTEN HUNDES

Zum Buch
Zwei junge, unbeschwerte Freunde beschliessen den USA den Rücken zuzukehren und ihr Glück auf Teufel komm raus in Lateinamerika zu versuchen. Mit viel Euphorie und beschränkten Mitteln ziehen sie los und galoppieren von einem Fiasko ins nächste. Korrupte Polizisten, charmante Hochstapler, pornographische Astronauten und launische Vertreter der Tierwelt tummeln sich zahlreich in dieser kuriosen Welt südlich der Grenze. Eine Geschichte über Freundschaft, Desillusionierung und den bunten Irrsinn inmitten des Alltags.
Zum Autor
Steve Lindauer, geboren 1977 in St. Gallen, ist seit 14 Jahren unterwegs. Unter anderem war er wohnhaft in den USA, der Dominikanischen Republik, Kanada, Argentinien und Paris. Seine sechs bisher erschienenen Bücher basieren vorwiegend auf diesen Reisen. Weitere Details hierzu finden sich auf den letzten Seiten oder auf:www.stevelindauer.com Bianca Dugaro
Lehrreich aber nicht belehrend: zwei freischaffende journalistinnen ausgezeichnet

Die Berner Journalistinnen Marina Bolzli und Lucia Vasella gewinnen mit ihrem eindrücklichen einstündigen Radio-Feature Verschobene Leben in Bosnien den dritten Medienpreis für Freischaffende. „Wieviel Kraft, wie viel Spannung so ein Radiofeature haben kann, das zeigt die ausgezeichnete Arbeit von Lucia Vasella und Marina Bolzli“, so Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktoion der Süddeutschen Zeitung und Ehrenjurymitglied der dritten Edition des Medienpreises für Freischaffende, in der Laudatio: „Es ist lehrreich aber nicht belehrend, es ist packend und zärtlich; es ist kunstvoll aber nicht künstlich, es ist politisch aber nicht plump, es ist bewegend, aber nicht flüchtig “ Der Medienpreis für Freischaffende zeichnet alle zwei Jahre ausschliesslich freie journalistische Arbeiten aus und macht diese auf der Website www.medienpreis-fuer-freischaffende.ch zugänglich. Das Spektrum der zehn nominierten Arbeiten reicht thematisch von der Heavy-Metal-Szene über das pakistanische Swat-Tal und den Alltag im revolutionären Kairo bis hin zur jungen Kulturszene in Kosovo. Neue Zugriffe, ausführliche Recherchen, sorgfältige Schreibe – und also viel Zeitinvestion zeichnen diese exzellenten freien Arbeiten aus.
www.medienpreis-fuer-freischaffende.ch
Das filmFestival für grosse und kleine Entdeckungen
Das Filmfestival Mannheim-Heidelberg ist eines der ältesten internationalen Filmfestivals überhaupt – und seit Jahrzehnten bekannt für Entdeckungen junger Filmerinnen und Filmer. Seit 1952 ist das Festival eine Plattform für Newcomer und Filmschaffende wie Jim Jarmusch, Wim Wenders, Rainer Werner Fassbinder zeigten hier ihre ersten Filme.
Im Internationalen Wettbewerb, der in den beiden Festivalstädten Heidelberg und Mannheim stattfindet, sind jedes Jahr grosse und kleine Meisterwerke von Newcomern zu sehen, eine bunte Mischung von Filmen wie „OKKAR EIGIN OSLÓ
– Oslo wird uns immer gehören“ des Isländers Reynir Lyngdal oder Parked des irischen Regisseurs Darragh Byrne zu sehen, welche den Weg in die Schweizer Kinos nicht alle schaffen werden.
jetzt iN DEN SCHWEIZER KinoS
Ein solcher Film, der den Weg in die Schweizer Kinos geschafft hat, ist der belgische Film La maison corse, der im internationalen Wettbewerb der letztjährigen 60. Ausgabe des Festivals zu entdecken war. La maison corse erzählt die Geschichte einer jungen Aussteigerin, die ein Haus – oder besser: eine Hausruine – auf Korsika erbt. Der Film ist im November 2012 im Kino Riffraff Zürich und in den Basler Kultkinos angelaufen.
Die Newcomer 2012
In der diesjährigen 61. Ausgabe des Festivals, das immer Anfang November stattfindet, gewann mit Last Whistle die iranische Regisseurin Niki Karimi den Hauptpreis, für einen Film, „der uns in einem hervorragenden Porträt zeigt, wie unser eigenes Leben sich ändert, wenn wir den Versuch unternehmen, ein anderes Leben zu retten“, so die Jury. Aufgefallen ist – auch der internationalen Filmkritikerjury FIPRESCI – der estnische Film Mushrooming von Toomas Hussar, der die Geschichte eines Politikers und seiner Frau erzählt, der sich beim Pilzesuchen im den estnischen Wäldern verirrt – und der in ein paar Monaten vielleicht auch in der Schweiz zu sehen sein wird.
Besonders in Erinnerung bleiben wird last but not least die schaupielerische Leistung der sehr jungen Schaupsielerin Rania Mellouli im belgisch-marrokanischen Film Le Sac de Farine von Kadija Leclere, der die Geschichte eines Mädchens erzählt, das von seinem Vater aus dem Waisenhaus nach Marokko verbracht wird, wo es bei der Familie dessen Schwester aufwachsen soll. Anita Hugi