Eine leere Wohnung. Eine leere Wohnung voller Erinnerung an die ehemalige Bewohnerin. Durch das jahrelange Rauchen meiner Nachbarin zeigt ihre leergeräumte Wohnung mehr als wir uns normalerweise gewohnt sind, wenn wir eine leere Wohnung betreten.
Helle Formen an den nikotinverfärbten Wänden lassen die ehemalige Position von Bildern und Möbeln erahnen. Die Wohnung wirkt dadurch nicht wirklich leer, sondern weiterhin belebt. Man fragt sich, was in jener Ecke für ein Möbel gestanden hat, was genau für Bilder die Wände verziert haben. Familienfotos oder eher Gemälde? Der Umriss einer Kuckucksuhr? Ein Setzkasten? Ein Rad? Ein Puppenhaus? Die Gedanken wandern weiter.
Wer war diese Frau? Man stellt sie sich vor, in einem grossen Sessel, eine Zigarette nach der anderen rauchend. Die Gemälde betrachtend, von der Ferne träumend. Oder eher einsam und betrübt auf der Küchenbank, darauf wartend, dass der eine Tag endlich dem nächsten weicht. Wer sie wirklich war, bleibt dem Betrachter verschlossen und doch glaubt man, sie zumindest ein bisschen zu kennen.




