Gruss aus London

Builder’s bum

Ein Handwerksfüdli ist keine Garantie für handwerkliche Qualität. Aber im Wortschatz der Engländer hat sich der Begriff etabliert.

Der Trend, die Hosen ohne Gürtel und folglich locker auf den Hüften zu tragen, so dass sie beim Gehen herunter zu rutschen drohen, hat ihren Ursprung im amerikanischen ‚Gansta’ Rap. Die Jungs kultivierten damit die Gefängniskultur, in welcher der Inhaftierte den Hosengürtel aus Sicherheitsgründen abliefern musste.

Inzwischen hat sich dieser Trend weltweit als Modeerscheinung etabliert. In den 1980er-Jahren begannen junge britische Handwerker, vor allem Elektriker, Sanitärinstallateure und Bauarbeiter, ihre Arbeitshosen ebenfalls gürtellos und lässig-locker auf den Hüften zu tragen. Mussten sie sich während der Arbeit auf den Boden knien, offenbarten sie der ganzen Welt einen Teil ihres nackten Gesässes.

In Grossbritannien etablierte sich dieses unbekümmerte Blosslegen des nackten Hintern beim Niederknien als weitverbreitetes Erscheinungsbild der einheimischen Handwerkszunft – aber auch darüber hinaus. Dieses Phänomen fand als «builder’s bum» Eingang in die Umgangssprache. 1988 wurde dieser populäre Ausdruck als Begriff offiziell in den englischen Wortschatz aufgenommen.

Aus eigener Erfahrung mit britischen Handwerkern weiss ich, dass das Blosslegen des Gesässes nichts mit der handwerklichen Fertigkeit oder der Qualität der Arbeit zu tun hat. Ein Knackarsch ist keine Garantie für Topqualität. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ein typisches Beispiel eines englischen «builder’s bum» (Schweizerdeutsch: Büezer Füdli). London 2012.

 

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