NEULAND 16

Editorial

Liebe Besucherinnen und Besucher,

herzlich willkommen zur sechzehnten NEULAND-Ausgabe. Es freut uns sehr, Sie in unserem Magazin und digitalen Ausstellungsraum begrüssen zu dürfen.

Seit nunmehr drei Jahren setzt NEULAND auf Verlangsamung: nehmen Sie sich Zeit, das Foto-Portfolio der Tessiner Fotografin Nelly Rodriguez zu sehen – vor allem, wenn Sie die Bieler Fototage verpasst haben, an welcher die Serie «Isole» auch zu sehen war. Es geht um eine Auseinandersetzung mit Eremiten, Einsiedlern und selbstgesuchter oder gesellschaftlich verordneter Isolation.

Eine ganz andere Isolation ist im Berner Ohrenland angesagt: jene für bessere Schalldämpfung. Nicht nur die Ohren, sondern die Wände der Schulhäuser wackeln jedes Mal, wenn in Meiringen ein Kampfflugzeug durchs langgezogene U-Tal loszieht – mittlerweile gehört der Lärm, der vielen Einheimischen in Mark und Bein geht, zum Alltag: gab es früher ein Flugverbot bei Begräbnissen, ist jetzt stets Flug-Zeit.

Für viele Einwohnerinnen und Einwohner ist der Ausbau des Fliegerstandorts eine unerträgliche Situation – gesprochen wird darüber kaum, denn es geht um viel – nicht zuletzt um Geld und um einen blick-dichten Parkplatz für die hochsicherheitsbedürftigen amerikanischen F/A-18, welcher hier in den Berg gehauen wurde. Corinne Buchser war vor Ort und berichtet vom Interessenkonflikt in Brienz, Meiringen und Hasliberg – auch als Tourismusdestination bekannt. Die unwiderstehliche Rakete hat der Grafiker und Designer Claudio Gmür gezeichnet und animiert.

«Der Untergang des Abendlandes» lautete ein Untertitel von Peter Liechtis neuem Film «Vaters Garten», in dem er der Generation der heute über 80jährigen, jene seiner Eltern, eine poetische Auseinandersetzung widmet.

Der Zürcher Filmemacher mit St. Galler Wurzeln hat das Mixtape der aktuellen Ausgabe zusammengestellt: einmal mit Hörmusik, wie er es selbst titelt, und einmal mit Pop – auch letzterer, da und dort, allerdings nicht ohne Widerhaken: «Ils ont le Gbouniac, ils ont tout bouffé: le Gbouniac des enfants, des gens. Ils n’ont rien plantés, ces mecs n’ont rien semé, ils n’ont même pas sué, n’ont pas galérés. Mais en revanche: ont tout recoltés. Ils ont tout déterré, ils ont tout fauché. Où est notre Gbouniac?», fragt der ivorische Musiker Meiway im zweitletzten Song:

«Ils ont tout le Gbouniac, ces mecs, le claquent, et nous harnaquent, matraquent. Ils ont des Cadillacs, des Pontiacs. Ces mecs vivent comme des maniacs. –  Oui c’est ça l’Afrique, c’est ça la politique. Mais ce n’est plus la politique, c’est de la polifric. – On a travaillé la terre, la terre du père, de nos grands-pères, la terre sacrée de nos grands-mères. Nous avons plantés des grains, donnez-nous notre pain. On a faim. – Il faut partager. Il faut changer.»

Unser Kolumnist in London, Hans Stofer, reflektiert in seiner aktuellen Kolumne die dünne, doch trennende Linie zwischen «polite» und «police» und unser fiktiver Reporter Peter Polter kocht aktuell im brasilianischen Dschungel. Was tun? Die Fundstücke wissen Rat zur alltäglichen Tat, zum Weiterlesen, weiterdenken, weitermachen.

Nach Gefühlen und Wahrheit fragen in den Feiertagen die zwei Bieler Filmemacher Simon Baumann und Andreas Pfiffner mit ihrem Kurzfilm auf NEULAND, der vielleicht ein Spielfilm ist. Im Kino zu sehen ist gerade jetzt ihr erster in Zusammenarbeit entstandener Kino-Langfilm, Zum Beispiel Suberg.

Seit November 2013 ist NEULAND nunmehr drei Jahre unterwegs und es freut uns sehr, nach längerer finanzieller Durststrecke eine erste neue Partnerin an Bord zu wissen: die Schweizer Kulturstiftung «Migros Kulturprozent». Auch weitere Partner, Privatpersonen und kleinere oder mittelgrosse kulturelle Unternehmen oder Stiftungen sind als Förderer, als neue oder alte AbonnentInnen stets herzlich willkommen.

«Fensterputz»: Zum immer wieder neu anfangen lädt das Cover von Lena Eriksson ein. In diesem Sinne: Persistons, résistons!

Mit herzlichen Grüssen,

Ihr NEULAND : Corinne Buchser, Bianca Dugaro, Lena Eriksson, Louisa Schmitt, Judith Stofer und Anita Hugi. An der Technik: Fint 

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