Fundstücke

«SCHNITZ UND DRUNDER» – EIN TISCH ERZÄHLT

Die beiden schweizerischen Medienkünstlerinnen Nica Giuliani (*1980) und Andrea Gsell (*1974), die seit 2003 gemeinsam unter dem Namen «île flottante» künstlerische Projekte realisieren und vorwiegend im öffentlichen Raum agieren, reisen zurzeit zusammen mit Thomas Brunner und ihrer Tisch-Tour durch die Deutschschweiz und lassen dabei das Publikum ein Stück Familienkultur erleben. Der Tisch wird zum Ausgangspunkt für Erzählungen über unterschiedliche Essensbräuche und familieneigene Tischkultur. Das Projekt ist im Rahmen eines Wettbewerbs entstanden, der 2010 vom Aargauer Kuratorium zur Sensibilisierung für immaterielles Kulturerbe ausgeschrieben wurde. Bis zum 29. April 2013 ist «Schnitz und drunder» in sechs Restaurants und Cafés in Basel, Brugg, Baden, Aarau sowie in Zürich zu Gast. Louisa Schmitt

Aktuelle Termine: Frau Meise, Baden (8. – 18. März) / Krone, Aarau (22. März -1. April) / Eoipso, Basel (5. – 15. April) / Kafi für dich, Zürich (19.- 29. April). Mehr Informationen, auch zu den Vernissagen, auf der Website

Soirée fixe: Margrit Sprecher, Reporterin

Am Mittwoch, 27. März 2013 bietet sich im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Soirée fixe – Bei den FBZ zu Gast» im Cabaret Voltaire in Zürich die seltene Gelegenheit, eine der prägenden Persönlichkeiten des deutschsprachigen Journalismus persönlich kennen zu lernen. Im Gespräch mit Marina Rumjanzewa wird die Reporterin Margrit Sprecher Einblick geben in ihren journalistischen Werdegang, ihre journalistischen Grundüberzeugungen und in ihre aktuelle Arbeit, u.a. einer Langzeitreportage über Schweizer Kampfpiloten. Margrit Sprecher ist neben ihrer eigenen freien journalistischen Tätigkeit als Jury-Mitglied zahlreicher deutschsprachiger Journalistenpreise tätig. Hierfür liest sie jährlich mehrere Hundert Beiträge und verfügt so über eine mehrfache Perspektive auf die Journalismus-Produktion und -debatte. Die Soirée fixes sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Vereinigung Freie BerufsjournalistInnen FBZ. Anita Hugi

Termin: Mittwoch, 27. März 2013, Cabaret Voltaire, Spiegelgase 1, 8001 Zürich. Türöffnung 18.30 Uhr, Beginn 19.00 Uhr. Eintritt 10.- (CHF 5.- mit Legi)

Treibsand aus Istanbul

Das Zürcher DVD-Magazin Treibsand stellt in seiner zweiten Ausgabe Keep On Keeping On / Devam Etmeye Devam ausschliesslich zeitgenössische Kunst aus Istanbul vor. Die Arbeit von 33 Künstlerinnen und Künstlern, die verschiedenen Generationen angehören, werden auf der DVD in «filmischen Ausstellungsräumen» vorgestellt, durch die wir wie in einem realen Ausstellungsraum zu einem digitalen Spaziergang eingeladen sind. Die Kuratorin Susann Wintsch und die Künstlerin Necla Rüzgar haben die aktuelle Ausgabe als schillerndes Kaleidskop gemeinsam kuratiert. Einladung zur Reise! In der ersten Ausgabe des DVD-Magazins Treibsand stellte die freischaffende Zürcher Kuratorin zusammen mit der in Deutschland lebenden iranischen Künstlerin Parastou Forouhar zeitgenössische Kunst aus Teheran vor.

Keep On Keeping On / Devam Etmeye Devam: Die DVD-Edition Treibsand ist eine Independent-Produktion und für CHF 60.– u.a. auf der Treibsand-Website erhältlich

POSTREVOLUTIONÄRE KUNST

Fernab des Museum-Mainstreams zeigt das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) in Stuttgart in regelmässigen Abständen kleine, aber feine Ausstellungen aus den Bereichen Kunst, Architektur und Design aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Die aktuelle Ausstellung widmet sich ausschliesslich der zeitgenössischen tunesischen Kunst und gewährt Einblicke in das aktuelle Kunstschaffen des postrevolutionären Tunesiens, wie es sie bis heute in Europa kaum zu sehen gab. Die beiden Kuratorinnen Christine Bruckbauer und Patricia K. Triki wählten Werke von dreizehn tunesischen Künstlerinnen und Künstlern aus, die alle Zeugen bzw. Mitakteure des historischen Umbruches im Januar 2011 waren: Mohamed Ben Slama (Malerei), Mohamed Ben Soltane (Zeichnung), Moufida Fedhila (Installation), Aicha Filali (Fotografie), Faten Gaddes (Fotografie), Mouna Jemal Siala (Video), Sonia Kallel (Installation), Halim Karabibene (Fotografie/Installation), Mouna Karray (Video), Nicène Kossentini (Video), Hela Lamine (Installation), Patricia K. Triki (Fotografie) und Rania Werda (Malerei).

Bei der Auswahl der Werke zeigt sich auch die Wichtigkeit des Internets und der sozialen Medien, die sowohl für den Umbruch selbst als auch für die Kunst danach entscheidende Wege zum Nachaussentragen der politischen und künstlerischen Entwicklungen darstellen. Das Ausstellungsprojekt in Stuttgart gibt auch jenen Kunstschaffenden Platz, die bevorzugt im öffentlichen und virtuellen Raum agieren. Tunesien – Ein Land im Umbruch, das in eine «rosige Zukunft» blickt, so der Titel der Ausstellung. Besonders lesenswert und visuell gelungen ist der Katalog «Rosige Zukunft – Un avenir en rose», der zweisprachig (deutsch/französisch) im Kerber Verlag erscheint. Louisa Schmitt

Termine: Vom 25. Januar bis 16. März 2013. Ifa-Galerie Stuttgart, Charlottenplatz 17, 70173 Stuttgart. Öffnungszeiten Di, Mi, Fr 12 bis 18 Uhr, Do 12 bis 20 Uhr, Sa und So 12 bis 18 Uhr. Website 

Fischli/Weiss und Freunde

Peter Fischli (geb. 1952), o. T. (Fisch und Katze), um 1980, Holzschnitt, Schnitt: Anton Bruhin.

Die ETH Zürich besitzt eine fantastische Sammlung graphischer Kunst und ein wunderbares, feines Museum, in dem Wechselausstellungen stattfinden. Aktuell sind Werke des Künstlerduos Fischli & Weiss und ihrer Freunde (wie Klaudia Schifferle und Anton Bruhin) ausgestellt. Seit 20 Jahren sammelt die Graphische Sammlung der ETH kontinuierlich Werke von Fischli & Weiss. Grund genug, einmal alles zu zeigen, was sie von diesem berühmten Künstlerduo besitze, schreibt der Leiter der Sammlung, Paul Tanner, im Ausstellungsprospekt. Jeweils am Montag lädt das Museum über Mittag (von 12.30 bis 13 Uhr) zur Kunstbetrachtung ein. Das spannende Programm findet sich unter www.gs.ethz.ch. Das Museum gehört zu meinen Lieblingsmuseen in Zürich: Es ist im wuseligen Betrieb der ETH ein Raum der Kontemplation und Stille. Judith Stofer

Termine: Vom 6. Februar bis 28. März 2013. Graphische Sammlung der ETH, ETH Hauptgebäude, E52, Rämistrasse 101, Zürich, Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 bis 17 Uhr, Mi 10 bis 19 Uhr. 

CD und Roadmovie der Punkband Kleenex / Liliput

Wer die Katz’ vom Cover kennt: Unlängst neu erschienenen ist eine umwerfend gute Aufnahme von Kleenex/Liliput von zwei Konzerten der legendären Frauenpunkband: 1979 in Biel und 1983 in Zürich. Die neue CD-Edition bietet auf der beigelegten DVD auch ein zusätzliches 30minütiges Roadmovie mit Aufnahmen von damals, das den Geist der Zeit dokumentiert und einfängt. Allerdings: was wirklich wissen schon wir Nachgeborenen? CD/DVD im guten Musikfachgeschäft erhältlich. Anita Hugi

Jede Notiz ein Klassiker!

Ein echter Hingucker ist das Universal-Notizbuch von Reclam mit integriertem Bleistift. Im Design und Layout bezieht sich das Notizheft auf den Klassiker des Verlages, der Universal-Bibliothek. Der Schuber schützt gleichzeitig die Aufzeichnungen und integriert elegant das Schreibgerät mit dem Notizbuch. Heft und Schuber sind in typischem reclamgelb gehalten, der Bleistift ist schwarz. 128 Innenseiten original Reclam Papier, kariert. Design und Idee: Wolfgang Blum, ausgezeichnet mit dem red dot design award 2009 und nominiert für den deutschen Designpreis 2012. Louisa Schmitt

REINES PROCHAINES ON TOUR

Seit 25 Jahren laut, wild und heftig feministisch. (Bild: Basil Stücheli)

Das neue Programm «Blut – Sirup of Life» der Reines Prochaines ist: ein Knüller! In der Schweiz spielen sie nach der Premiere am 2. Februar in Basel ab Mitte März wieder, den Auftakt wird am 23. März 2013 das Helsinki in Zürich machen, danach geht’s ins Kellertheater St. Gallen, nach Sommeri und nach Thun. Bis dahin sind sie an verschiedenen Orten in Deutschland auf Tour, u.a. in Berlin und Hamburg. Ganz ortsunabhängig gibt es die neue CD der Reines Prochaines. Es sind zwar nicht alle Stücke aus dem neuen Programm drauf, doch ist es doch die erste CD der Künstlerinnen-Band seit immerhin acht Jahren! Und bietet nebst den Songs aus dieser Zeit auch drei Sprechstücke!

Ebenso eben erschienen ist ein Dokumentarfilm zu den Reines Prochaines von Claudia Willke (Freihändler Produktion), der in der Schweiz gerade auf vielen Kanälen –  in den Schweizer Kinos, für vier Wochen online auf der Website des Dokumentarfilmprogramms Sternstunde Kunst und auch auf DVD erhältlich ist. Die Website weiss zu alledem auch fast alles – und bietet zahlreiche Extras, so etwa die Galerie des (Band-) Fotografen Tobias Madörin. WEB www.reinesprochaines.ch

Les Reines Prochaines, Pressebild der Band von Tobias Madörin, 2003.

 

MANIFEST ZÜRCHER KUNST 2013

Die Hallen des alten Güterbahnhofs in Zürich werden nicht mehr lange kunstvolles Leben beherbergen. Das exquisite SBB-Gelände (früher einmal Sumpfgebiet) neben den Geleisen und unter einem weiten Himmel soll bald mit einem rund 700 Millionen Franken teuren Justiz- und Polizeipalast mit mehr als 200 Gefängnisplätzen überbaut werden. Zum Glück für Zürich ist es aber noch nicht soweit. Neben vielen anderen Zwischennutzungen hat auch die Zürcher Kunst weiterhin ihren Platz in einem Teil der weiträumigen Hallen. Seit Jahren sorgt der Architekt Ralph Bänziger dafür, dass der künstlerische Nachlass von Trudi Demut, Otto Müller und den Wuhrsträsslern nicht in Vergessenheit gerät. In verschiedenen Wechselausstellungen verstand er es, immer wieder neue Perspektiven auf die Werke von Demut, Müller und der Künstlergenossenschaft Wuhrstrasse von einst bis heute zu eröffnen. Was das Kunsthaus seit Jahren nicht mehr leistet, wuchs in den Hallen des Güterbahnhofs still und leise heran: Ein Raum für Zürcher Kunst. Es brauchte den langen Atem, die Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft von Ralph Bänziger und einen runden Tisch in den Hallen des Güterbahnhofs, um das «Manifest Zürcher Kunst 2013» entstehen zu lassen. In These 10 wird umschrieben, was Zürich dringend braucht: Tausend Quadratmeter urbanen Raum für das reichhaltige und lebendige Zürcher Kunstschaffen der Gegenwart und Vergangenheit, dazu Depots für Nachlässe und Archive. Sicher ist: Ich freue mich bereits heute auf diesen Ort der Auseinandersetzung mit dem Zürcherischen Kunstschaffen. Judith Stofer Am 8. Februar 2013, 18 Uhr, ist Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel «Weitblick 2013 … über Alles und Letztes und Weiteres hinaus. Demut und Müller und Wuhrsträssler und Wuhrverwandte». Um 19 Uhr Proklamierung «Manifest Zürcher Kunst 2013» mit einem runden Tisch zum Thema «Wohin mit Zürichs Kunst?». Weitere Informationen unter www.demut-mueller.ch und www.art-dock-zh.chwww.facebook.com/ArtDockZH. Bis 27. April 2013. 

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