KULTURTIPPS UND TROUVAILLEN

Fundstücke

In der Ru­brik Fund­stü­cke prä­sen­tie­ren wir in je­der Neu­land-​Aus­ga­be ei­ni­ge Trou­vail­len und Kul­tur­tipps, die uns spe­zi­ell am Her­zen lie­gen. Aktuell­, ver­gan­gen, ku­ri­os, wit­zig, lie­bens­wert, poe­tisch, in­ter­es­sant, ka­ta­stro­phal, auf­ge­le­sen oder zu­fäl­lig – die Fund­stü­cke la­den Sie ein, in an­de­re Wel­ten ab­zu­tau­chen.

 Im Kasten

Der Wissenschaftler Auguste Piccard bei seinem zweiten Aufstieg in die Stratosphaere in der Gondel seines Ballons, aufgenommen am 18. August 1932 in Duebendorf, Schweiz. (KEYSTONE/IBA-Archiv/Str)

Ein Spaziergang durch die Schweizer Fotografiegeschichte ist zur Zeit in Zürich in der Semper-Sternwarte zu unternehmen. Auf wenigen Quadratmetern haben zwei Fellows des Collegiums Helveticum zusammen mit verschiedenen Institutionen der Fotografie in der Schweiz ein kompaktes Kompendium zusammen gestellt, respektive in den Kasten gezaubert: in altehrwürdigen Glasvitrinen der Semper-Sternwarte hinter der ETH wird, ganz analog, mit ikonographischen fotografischen Exponaten die Schweizer Fotogeschichte Revue passiert. Die Fellows sind denn auch Kollegen vom Fach: Marco Meier, langjähriger Chefredaktor des Magazins Du, und Andreas Pospischil, Ordinarius für Veterinärpathologie.

Alles im Kasten, Mo-Fr, 10-17 Uhr, öffentlich zugänglich im Entrée der Semper-Sternwarte, Schmelzbergstrasse 25, Zürich. (Tram 5 bis ETH)

Nachfüllen statt Wegwerfen

Will man zu Hause etwas essen, muss man sich zuerst mit Verpackungen abmühen: Karotten, Tomaten, Salat, Käse, Joghurt – alles ist in Plastik verpackt. Mit jeder Mahlzeit füllt sich in der Kühce der Abfalleimer.

Auch unterwegs hinterlässt man einen Haufen Müll: Man trinkt Kaffee aus dem Pappbecher, holt beim Take-away ein Menu im Plastikbehälter und eine Cola oder einen Eistee in der PET-Flasche. Und bei jedem Ladenstopp erhält man noch eine Plastiktasche in die Hand.

In der Schweiz fallen jährlich mehr als 5’000’000 Tonnen Siedlungsabfälle an (inklusive Altapier, Altglas und diverses anderes Recycling-Material). Das sind über eine halbe Tonne Abfall pro Einwohner. Die Schweizer Organisation Refiller kämpft gegen diesen Abfallberg, der seit 1990 um ganze 33% gewachsen ist. Refiller gibt auf ihrer Webseite Tipps, wie Wegwerf-Verpackungen vermieden werden können: Zu Hause Leitungswasser, Tee oder Kaffee in einen Behälter abfüllen, Lunchboxen verwenden, saisonale und unverpackte Produkte bevorzugen, die eigene Einkaufstasche mitnehmen – und nur kaufen, was nötig ist. Corinne Buchser

WEB www.refiller.ch

… über Wolken und Köpfe hinaus …

Noch bis am 18. August sind in der Kunsthalle Güterbahnhof in Zürich die Bilder, Plastiken, Skulpturen und Zeichnungen von Trudi Demut und Otto Müller zu sehen. Die Hommage «… über Wolken und Köpfe hinaus …» zeigt in einer umfassenden Schau das Werk des Zürcher Künstlerpaars, das die legendäre Künstlergenossenschaft Wuhrstrasse in ZürichWiedikon ins Leben gerufen hat. Zu sehen sind die poetischen Wolkenbilder und filigranen Skulpturen von Trudi Demut, die monumentalen Köpfe und archaisierenden Frauenfiguren von Otto Müller, bebilderte Tagebücher, Zeichnungen, Skizzen und Reliefs vervollständigen das Bild. Allein schon der Gang durch die Wolkenbilder und die Welt der Fabelwesen aus Gips und Bronze von Trudi Demut ist ein übersinnliches Erlebnis und ein Genuss. Neben Demut und Müller sind auch Werke der anderen «Wuhrsträssler und Wuhrsträsslerinnen» und der ihnen zugewandten Künstlerinnen und Künstler ausgestellt: Carlotta Stocker, Friedrich Kuhn, Silvio Mattioli und Otto Morach. Die Künstlerin Zilla Leutenegger hat zudem als Hommage an Trudi Demut ein wunderbares Video mit dem Titel «Umlaufbahn» geschaffen, das ebenfalls zu sehen ist. Kuratiert wurde die Ausstellung vom Architekten und Motor der Stiftung Demut Müller, Ralph Baenziger. Hingehen, schauen, sich entführen lassen. Auch wer diesen Termin verpasst: Ab 25. August folgt der Zyklus «über Berge und Reliefs hinaus». Bis 29. September. Judith Stofer

Kunsthalle Güterbahnhof, Hohlstrasse 150, 8004 Zürich, Öffnungszeiten: Mo bis Fr 15 bis 19 Uhr, Sa 13 bis 18 Uhr, www.demut-mueller.ch.

Eine Handvoll Lieblingsorte in Berlin…

«Ich bin noch vier Wochen in Berlin und habe mir ein kleines Projekt ausgedacht. Ich gehe auf Stadt-Streifgänge entlang der Lieblingsorte meiner Freundinnen und Bekannten. Mit dabei habe ich den Stadtplan, eine Fotokamera und dich in Gedanken.»

Es sind ganz persönliche Lieblingsorte, die in der nun druckfrischen Postkartenserie zu entdecken, zu verschenken, mit schönen Grüssen zu versenden… oder auch für sich zu behalten sind. Vom Radialsystem bis an die Warschauer Brücke, von Stralau zum Jolesch – begleitet wird die zauberhafte Postkartensammlung und von einem kleinen feinen Büchlein mit den E-Mail-Texten der Freundinnen und Freunde, welche Stephanie Nabholz auf Entdeckungsreise schickten. Un bijou berlinois.  Anita Hugi 

BESTELLEN: CHF 20.–/Postkartenserie. Ein Projekt von Stephanie Nabholz, gestaltet von EDIT und direkt zu bestellen bei: snabholz(at)gmx.ch 

…Und ein Lieblingsort in Basel

Wunderbare Orte, die plötzlich da sind, und die man nie mehr missen möchte, gibt es natürlich auch in der Schweiz – besonders in ihren Randzonen. In einem früheren Nomansland hinter dem lange Jahre ausrangierten Bahnhof St. Johann ist, einen tatsächlichen Steinwurf von der Landesgrenze entfernt, seit einem Jahr neues Leben in die alten Mauern eingekehrt. Ganz zuhinterst, nebem dem Restaurant Buffet, findet sich eine zauberhafte Bar lautend auf den nicht zu viel vesprechenden Namen “Hinterdembahnhofgehtdiesonneunter”. Mo-Sa, jeweils ab 17 Uhr. Ankommen: ab Bahnhof SBB mit dem Regionalzug nach Frankreich (Geleise 33-35), St. Johann (letzter Halt vor St. Louis, France) oder Tram 1/14. Anita Hugi 

WEB www.hinterdembahnhofgehtdiesonneunter.ch

Geschichten, die nicht nur das Leben schrieb

 

 

«Die Polizei an der Bettkante» oder «die Hunde aus P…» gehören zu meinen Lieblingsgeschichten im Buch mit dem skurrilen Titel «Dem Papagei bleibt die Spucke weg». Um die Einbruchsdiebstähle zu bekämpfen, hat sich die Liverpooler Polizei etwas Spezielles ausgedacht: Wer nachts ohne seine Haustüre abzuschliessen ins Bett geht, wird von der lokalen Polizei wachgerüttelt und aufgefordert, er möge seine Haustüre doch bitte verriegeln. Diese absurde Zeitungsmeldung, in der Rubrik «Vermischtes» erschienen, hat Denise Buser als Ausgangslage für eine witzige Fabel genommen. Sie nimmt den Faden auf, spinnt ihn weiter und erzählt in «die Hunde aus P…» eine Geschichte, in der Hunde bei Grün die Strasse überqueren und drei Pinscher Touristen öfters mal in die Waden beissen. Mehr sei hier nicht verraten. Denise Buser, Titularprofessorin für kantonales Staatsrecht an der Universität Basel, Richterin am Basler Strafgericht Basel-Stadt und «neuland»-Autorin hat 81 Fabeln geschrieben, die zum Schmunzeln, Nachdenken und zum Weitererzählen anregen. Jeder Fabel geht eine Zeitungsmeldung voraus, die wahr oder unwahr, absurde Ereignisse und surreal angehauchte Geschichten aus dem Leben erzählen. Das wunderschön gestaltete Buch mit Zeichnungen und einem Cover des Künstlers Alex Zwalen ist die ideale Ferienlektüre, denn es lädt zum Weiterspinnen ein. Und dies ist bekanntlich mit Musse am schönsten. Judith Stofer

Denise Buser, Dem Papagei bleibt die Spucke weg. Fabeln und Fakten, editionpudelundpinscher, Erstfeld 2011, 183 Seiten.

Der Verlag edition pudelundpinscher (www.pudelundpinscher.ch) wurde 2007 von Beatrice Maritz und Andreas Grosz gegründet. Zum Schwerpunktprogramm gehören Lyrik und experimentelle Prosa. Verlagssitz ist in Erstfeld (UR).

WEB Mehr zum Verlag erfahren Sie in einem Beitrag von Art-TV (http://www.art-tv.ch/6456-0-literatur–edition-pudelundpinscher.html)

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