Kulturtipps & Trouvaillen

Fundstück

In der Ru­brik Fund­stü­cke prä­sen­tie­ren wir in je­der Neuland-​Aus­ga­be ei­ni­ge Web-Trou­vail­len und Kul­tur­tipps, die uns spe­zi­ell am Her­zen lie­gen. Aktuell­, ver­gan­gen, ku­ri­os, wit­zig, lie­bens­wert, poe­tisch, in­ter­es­sant, ka­ta­stro­phal, auf­ge­le­sen oder zu­fäl­lig – die Fund­stü­cke la­den Sie ein, in an­de­re Wel­ten ab­zu­tau­chen. Die Kulturtipps werden während der jeweiligen Ausgabe punktuell aktualisiert.

WeiteRleben

Der neue Film von Hans Haldimann (Bergauf, Bergab) widmet sich einem Thema, das viel zu wenig Aufmerksamkeit erhält, und doch weltweit Millionen von Menschen aufs schmerzlichste trifft: Folter. Der Dokumentarfilm nähert sich dem Thema und den von Folter Betroffenen behutsam an und ist ein bewegendes Zeugnis von vier Menschen, denen teils mehr als 15 Jahre Schrecklichstes zugefügt wurde. Der Film ist zur Zeit in den Schweizer Kinos zu sehen und erscheint später auf DVD. Von Manfred Novak, dem ehemaligen Sonderbeauftragten für Folter der Vereinten Nationen, der während mehreren Jahre in Gefängnissen und Polizeistationen weltweit ermittelt hat, erscheint im März ein Buch zum erschütternden Thema: Folter. Die Alltäglichkeit des Unfassbaren.

NORIENT

Norient ist ein internationales Netzwerk für Musik und Kultur, das auf unterschiedlichsten Kanälen das Lokale mit dem Globalen verbindet und dabei oft Neues und Überraschendes zutage befördert. Gegründet wurde Norient 2002 vom Berner Musikethnologen Thomas Burkhalter. Zusammen mit dem Filmemacher Michael Spahr hat er ein multimediales Online-Magazin aufgebaut, in dem Medien- und Kulturschaffende sowie Wissenschafterinnen über neue musikalische und kulturelle Strömungen in Afrika, Asien, Lateinamerika, Europa und Nordamerika berichten – auf Deutsch und Englisch, mit Texten, in Soundfeatures und Filmen. Daneben ist Norient ein Veranstalter von musikalischen und kulturellen Events in der Schweiz und im Ausland. Herzstück ist seit 2010 das jährliche Musikfilmfestival in Bern, das in seinen Musikdokumentationen engagiert und doch verspielt Musik in ihrem gesellschaftlichen Kontext präsentiert. WEB www.norient.com   Susanne Schanda

Fallen-Design

Rémy, die liebenswerte Wanderratte, die es im Film «Ratatouille» nach Paris in ein Sterne-Restaurant verschlägt, wo sie meisterlich kocht, ist eine positive Ausnahme. Ratten gelten in unserer Kultur als Schädlinge. Sie werden gejagt, vergiftet, getötet. Anders in Indien. Dort gelten die Nagetiere als heilig. Im hinduistischen Tempel zu Ehren von Karni Mata, einer Reinkarnation der Göttin Durga, leben Tausende von Ratten, die von Besucherinnen und Besuchern mit mitgebrachten Speisen und Getränken  gefüttert werden. Tempelratten werden gehegt und gepflegt. Ratten aber, die ausserhalb des Tempels leben, gelten in Indien ebenso wie bei uns als Schädlinge. Auch in Indien will man sie weghaben. Doch werden sie niemals getötet. Mit Fallen werden die kleinen Nagetiere eingefangen und möglichst weit entfernt wieder ausgesetzt. Solche Rattenfallen von unterschiedlichster Machart – plumpe Ausführungen, ausgeklügeltes Design bis zu  ästhetischen Schönheiten – hat der britische Künstler Tony Hayward gesammelt. Zusammen mit neuland-Kolumnist Hans Stofer stellt er in einer kleinen, feinen Publikation ein paar Exemplare vor.

Tony Hayward/Hans Stofer, Indian Rat Traps, London 2009, 10£, ISBN 978-0-9554951-2-0. Das Buch kann über http://www.tonyhayward.co.uk/ bestellt werden.  Judith Stofer

 

GANZ SCHÖN SONOR!

Waren Sie schon einmal an einem Radio-Feature-Festival? Wenn nein, dann bietet sich die Gelegenheit, vom 30. März bis 1. April 2012 ganz in ihrer Nähe eine solche sinnliche Erfahrung der anderen Art zu machen: Das Sonohr-Hörfestival findet Ende März 2012 erst zum zweiten Mal überhaupt statt, in der Schweizer Hauptstadt. Hingehen, reinhören, per Ohrmuschel sozusagen abtauchen in andere Welten. Anita Hugi 

 

LUVLY!

Catherine Tate ist eine der famosen Komikerinnen Europas. Die Britin kommt in jeder ihrer Figuren ziemlich frech daher. Auch als Elaine Figgis, hier mit James Bond, alias Daniel Craig. Ein kleines Video zum internationalen Frauentag, Schweizer Frauenstreicktag… und für zwischendurch.

 

Glauser im Kopf

Friedrich Glausers Bücher stehen in meinem Büchergestell an vorderster Stelle – immer griffbereit, um eins ums andere Mal wieder gelesen zu werden. Die Krimis, Romane und Novellen des Schweizer Schriftstellers, der 1938 mit 42 Jahren viel zu früh gestorben ist, sind auch nach dem dritten, vierten oder fünften Mal noch nicht ausgelesen. Wie bei einem guten Bild, einer grossartigen, alten Schallplatte oder einem exzellenten Film erschliessen sich bei jedem Lesen neue Facetten. So muss es auch dem Zürcher Illustrator Hannes Binder gehen. Seit 1988 setzt er Glausers Geschichten kongenial in Bilder um. «Glauser schreibt so, dass man es zeichnen muss», sagte er einmal in einem Interview. Nun ist ein weiteres Buch von Binder über Glauser im Limmat Verlag erschienen. «Glauser» heisst es schlicht und einfach. Das Buch ist eine Neuausgabe des 2005 erschienen «Nüüd appartigs … Sechs gezeichnete Geschichten», erweitert um die neue, siebte Geschichte «Glauser im Kopf». Christoph Kühn hat einen wunderbaren Film über Friedrich Glauser gemacht. Der Film «Glauser. Das bewegte Leben des grossen Schriftstellers» läuft zurzeit in verschiedenen Kinos der Schweiz. Hier finden Sie die Spielzeiten.

Hannes Binder, Glauser. Sieben Geschichten von, zu und um Friedrich Glauser. Mit einem Vorwort von Peter Zeindler zu «Wachtmeister Studer im Tessin», einem Nachwort von Kurt Gloor zu «Knarrende Schuhe» und einem Werkstattgespräch von Frank Göhre in «Der Chinese»,  Limmat Verlag, Zürich 2012. Judith Stofer

 

Fotografien aus Fukushima

Der japanische Fotograf Kazumo Obara hat nach der dreifachen Katastrophe von Erdbeben, Tsunami und atomarer Verstrahlung seinen ehemaligen Job in Tokyo an den Nagel gehängt und fotografiert seither in den verstrahlten Gebieten um und in Fukushima. Die Website des Fotografen gibt einen mehr als bedrückenden Einblick in das Ausmass der Katastrophe. Und in das Leben im Umland Fukushimas nach der atomaren Katastrophe. Sein Fotobuch mit dem Titel «Beyond Fukushima – Will the Nuclear Catastrophy bring Humanity to its Senses?» erschien zum zum ersten Jahrestag der Nuklearkatastrophie am 11. März 2012 auf Deutsch und Englisch im Badener Verlag Lars Müller Publishers. Anita Hugi

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