Fundstücke

In der Ru­brik Fund­stü­cke finden sich in jeder Aus­ga­be aktuelle Kulturtipps und  mehr.  Ob Geheimtipp, ob ku­ri­os, wit­zig, lie­bens­wert, poe­tisch, in­ter­es­sant, ka­ta­stro­phal, auf­ge­le­sen oder zu­fäl­lig – die Fund­stü­cke la­den Sie ein, in an­de­re Wel­ten ab­zu­tau­chen.

unidisplay / uni(psycho)acoustic

Was für eine Überraschung, als ich nichtsahnend das MMK betrat und kurz darauf mitten in Carsten Nicolai´s Ein-Raum-Installation unidisplay stand. Wow, was für ein Raumkonzept! Vollkommen abgedunkelt und mit grossen Spiegeln rechts und links versehen, zeigt Nicolai auf einem übergrossen Screen unterschiedliche optische Muster und Formen, die sich mit verschiedenen Aspekte menschlicher Wahrnehmung beschäftigen. Auf den ersten Blick fallen die wechselnden Strukturen auf, die auf akustische Signale reagieren und die dank der beidseitigen Spiegel ins Unendliche zu laufen scheinen. Was steckt genau dahinter?

Der Pressetext bietet Erklärungen: Die Arbeit ist in drei Kategorien unterteilt. Die erste beschäftigt sich mit der Zeit und dem menschlichen Versuch diese auf irgendeine Weise sichtbar zu machen. Der deutsche Künstler bedient sich hierfür verschiedener Zyklen der Zeitmessung, um sie dann auf einer visuellen Ebene zu präsentieren: Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Monate, Jahre, Jahrhunderte, Jahrmillionen. Die zweite Kategorie fokussiert die Sprache der Zeichen und veranschaulicht anhand abstrakter grafischer Strukturen die Funktionsweise visueller Zeichensysteme. In der dritten Kategorie werden optische Täuschungen und andere visuelle Erscheinungsformen im Hinblick auf ihre gestaltpsychologischen Wirkungen erforscht. Was in der Theorie komplex klingt, erweist sich als gut umgesetzte Idee. Ergänzt wird unidisplay von einer zweiten Arbeit, nur wenige Meter entfernt: der Soundkammer uni(psycho)acoustic. Kongruent mit den visuellen Strukturen bei unidisplay werden hier (psycho)akustische Phänomene vorgestellt, die die Wirkungsweise menschlicher Wahrnehmung untersuchen und deren Mechanismen erlebbar machen. Klingt auch komplex?! Am besten nach Frankfurt fahren und sich persönlich davon überzeugen. Es lohnt sich! Louisa Schmitt

Bis 26. Mai 2013* im MMK Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10 60311 Frankfurt am Main. Öffnungszeiten Di, Do, Fr, Sa, So 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 20 Uhr. Alle Informationen gibt es auf der Website des MMK. (* vom 5. Mai bis zum 26. Mai 2013 verlängert)

Fels auf Fels

Diese fünfeinhalb Meter hohe Skulptur von Fischli/Weiss, betitelt «Rock on Top of Another Rock 2010/2013», steht in den Kensington Gardens in London. In der letzten Ausgabe von Neuland (Nr. 13) hatte ich bereits auf eine Ausstellung mit Grafiken des Schweizer Künstlerduos hingewiesen. Die tiefgründige, humorvolle Poesie, die in den Werken von Fischli/Weiss steckt, packt mich bei jeder Begegnung von neuem. Mit seinem Bild bringt der englische Fotograf Morley von Sternberg diese Poesie wunderbar zum Ausdruck. Die Aufnahme datiert vom März 2013. Die beiden aufeinandergeschichteten Granitfelsen gehören zur Serpentine Gallery, die auch immer einen Teil der umliegenden Parkanlage bespielt. Serpentine Gallery, Kensington Gardens, London, www.serpentinegallery.org. Bis 6. März 2014. Judith Stofer 

Das Obstblütenfest

Strassen, Parkplätze, Einfamilienhäuser, Einkaufszentren… In den letzten 30 Jahren sind über 2 Millionen Hochstamm-Obstbäume verschwunden. Der Verein Hochstamm Suisse setzt sich für die Erhaltung dieser stolzen und ökologisch sehr wertvollen Bäume ein. Am 27. April 2013 findet der Nationale Tag der Hochstämmer statt, mit Obstblütenfesten, Degustationen, Märkten und Exkursionen zu den verbleibenden blühenden Apfelbaum- und Kirschbaumlandschaften. Wer Platz hat, kann auch einen eigenen Baum im Garten pflanzen! Corinne Buchser

Link: Hochstamm Suisse, Tag der Nationalen Hochstammbäume

 

Fokus Dokumentarfilm: VISIONS DU RÉEL

Ab Freitag, 19. April, findet in Nyon wieder während sieben Tagen das internationale Dokumentarfilmfestival Visions du réel statt, das sich in den letzten bald 20 Jahren einen Namen für engagierten Dokumentarfilm gemacht hat. Das Festival bietet Dokumentarfilme unterschiedlichster Handschrift und Herkunft – und auch die Schweizer FilmemacherInnen mischen dieses Jahr im Wettbewerb mit. Am Samstag ist der Westschweizer Film zu Gilberto Gil im Programm, der Bieler Filmemacher Simon Baumann (Image Problem u.a.) feiert am Sonntag, 19 Uhr, internationale Premiere mit «Zum Beispiel Suberg». In Nyon wird auch Peter Liechtis neuer Dokumentarfilm «Vaters Garten», welcher an der Berlinale die internationale Premiere gefeiert und dort den Leserpreis der Berliner Tageszeitung taz gewonnen hat, als Schweizer Premiere zu sehen sein. Der Schlussfilm «Nubes y libros» entführt in eine rurale Welt in Peru hoch hinauf in die Anden, wo mobile «Wolkenbibliotheken» Wissen – auch um die eigene indigene Geschichte zu vermitteln – entlegenste Orte erreichen.

 

Wer nach Nyon fährt, kann Filme entdecken, die kaum je im Kino laufen werden – aber vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt auf Neuland die digitale Premiere feiern werden. Nebst den Filmen selbst finden in Nyon auch immer Masterclasses statt. Diesjährige «Filmemacher in Residence» sind der israelische Filmemacher Eyan Sival, in der Schweiz unter anderem bekannt durch seinen Dokumentarfilm «Im Namen der Orange», und die lettische Filmerin Laila Pakalnina.

Während früher das Festival auch ein sehr angeregter und anregender Begegnungsort war, litt es in den letzten beiden Jahren unter dem Leitungs- und Standortwechsels des Festivalzentrums vom See auf den Parkplatz. Nichtsdestotrotz wird Nyon auch dieses Jahr noch einmal der internationale Treffpunkt für aussergewöhnliche Dokumentarfilme und -filmerInnen und sein Publikum sein.

Praktische Hinweise: Nyon ist, im Gegenteil etwa zu Solothurn, ein Premierenfestival. Gezeigt werden Filme in vier Wettbewerben, darunter Regard Neuf, welcher Erstlingsfilme vorstellt, der (Haupt-) Wettbewerb der langen Filme, jener der mittellangen und der kurzen Filme. Eine weitere Reihe ist jene der Schweizer Produktionen (Helvétiques) sowie diverse Spezialprogramme, u.a. die Sektion Etat d’Esprit mit Filmen, die bereits anderswo uraufgeführt wurden. Die Website des Festivals bietet neu zu verschiedenen Filmen Trailer und weiterführende Informationen. 

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