Kulturtipps und Trouvaillen

Fundstücke

Pussy Riot – A Punk Prayer

Bei der russischen Performance-Gruppe Pussy Riot geht es allen voran um eine politische Haltung. Das wird auch im Dokumentarfilm «Pussy Riot – A Punk Prayer»  des Russen Maxim Pozdorowkin und des Briten Mike Lerner deutlich.

Der Gerichtsprozess, der auf die Aktion von Pussy Riot in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale folgt, gemahnt an einen Hexenprozess. Das russische Fernsehen und Ultraorthodoxe hetzen gegen die angeklagten Frauen.

Beim Prozess, der zu einer Art Schauprozess hätte werden sollen, sind die Medien zugelassen. Was Präsident Putin jedoch wohl nicht erwartet hat: Die drei jungen Frauen benutzen den Gerichtssaal als Plattform und klagen in ihren Plädoyers ihre Ankläger an.

Die Filmaufnahmen aus dem Gerichtssaal zeigen eindrücklich, mit welcher inneren Kraft die Frauen, die wie Tiere in einem Käfig eingesperrt sind, gegen das Regime kämpfen.

Die beiden Pussy-Riot-Mitglieder Maria Alyokhina und Nadezhda Tolokonnikova  werden zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Zwei Monate vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi und drei Monate vor Haftende werden sie entlassen.

Der Film «Pussy Riot – A Punk Prayer» macht deutlich, in welchen Kontext die Aktionen der Frauen mit den farbigen Sturmhauben fällt und wie explosiv das Gefüge gesellschaftlicher Kräfte in Russland heute ist.

Die Aufführung des Films wurde gerade kürzlich in Moskau noch einmal verboten. Bis Sonntag, 9. Februar 2014 um 23 Uhr, ist er hier in einer Kurzfassung online zu sehen. Der Film ist auch als Download oder als DVD im Handel erhältlich. Offizielle Website zum Film «Pussy Riot – A Punk Prayer»

L’Escale – STop-Over

 

Der Westschweizer Filmemacher Kaveh Bakhtiari erzählt in seinem ersten langen Dokumentarfilm, der bereits mit zahlreichen Preisen und Nominierungen ausgezeichnet wurde und am 7. Februar 2014 in den Schweizer Kinos startet, von der alltäglichen Realität von Migrantinnen und Migranten, die an Europas Aussengrenzen stranden. Es sind die Menschen hinter den News, die hier zu Wort kommen: der Filmemacher interessiert sich für ihren Alltag, ihre Hoffnungen – und thematisiert auch die blanke Angst, welche diese jungen Menschen immer wieder überwinden. Ein Film, der mehr als unter die Haut geht – und einen fragen lässt, was wir dereinst jenen nach uns erzählen werden, von dem, was wir über die Situation gewusst haben – respektive wissen wollten über die Aussengrenzen Europas und die Leben jener, die hier Zuflucht zu suchen versuchten.

«L’Escale» ist dabei kein Film, der auf die Tränendrüse drückt. Er überzeugt durch seine direkte Art, die filmische Prägnanz und Sorgfalt – und durch die Zeit, welche der Filmemacher zu widmen bereit war. Anita Hugi

zur Lage des Landes

Ein 20jähriger Animationsfilm von Jonas Raeber. Leider aktueller denn je.

 

TRAUTES HEIM, GLÜCK ALLEIN?

Ian Anüll, Home, Sweet Home, 1997

Wir suchen in den eigenen vier Wänden Geborgenheit, Ruhe und Halt. Doch das traute Heim kann auch zum beengenden und einsamen Ort werden. Hinter der schönen Fassade können sich Abgründe auftun.

Die Ausstellung «Home! Sweet Home!» im Kunstmuseum St. Gallen dauert noch bis am 27. Oktober. Website: Home! Sweet Home!, Kunstmuseum St. Gallen

iranischer Comic-Zeichner Mana Neyestani in Zürich

Am Samstag, 26. Oktober um 18.00 Uhr ist der seit einigen Monaten im französischen Exil lebende iranische Satire- und Comic-Zeichner Mana Neyestani im Rahmen des Festivals «Zürich liest» erstmals in der Schweiz zu Gast. In seiner Graphic Novel «Ein iranischer Albtraum» erzählt er ebenso poetisch wie lakonisch, wie er in seiner Heimat wegen einer Kinderzeichnung zu einem politischen Verfolgten wurde, wie das Evin-Gefängnis in Teheran von innen, und die internationale Flüchtlingsproblematik aus Flüchtlingssicht aussieht.

Im Gespräch mit Anita Hugi gibt Mana Neyestani Einblick in die Entstehung seiner in der Zürcher Edition Moderne auf Deutsch erschienenen Graphic Novel , in seine Arbeit als Künstler und bekannter Satire-Zeichner. Auch nach der Flucht aus seiner Heimat gilt Mana Neyestani im Iran weiterhin als eine der wichtigsten kritischen Stimmen. Mehr zu Mana Neyestanis Arbeit u.a. im Interview in Neuland 14: «Hope is the last property to give up»,  Zeichnung von Mana Neyestani in NEULAND 12.

Begegnung und Gespräch: Samstag, 26. Oktober 2013, 18.00 Uhr l Museum Rietberg l Zürich l Im Ticket für die Lesung inbegriffen ist eine Führung durch die aktuelle Ausstellung im Museum Rietberg, «Sehnsucht Persien». Treffpunkt vor dem Museum, 16.30 Uhr

Bis bald und zahlreich in Feldis & Maienfeld!

Hinter der Literaturzeitschrift TÄXTZIT steckt ein umtriebiger Bündner und Wortzimmerer. Arno Seeli aus Pratval hegte seit längerem den Wunsch, eine Präsentationsplattform für Kurzgeschichten und Illustrationen zu schaffen. Seit Mitte November 2011 ist er nun mit TÄXTZIT unterwegs. Das dreiköpfige Team von TÄXTZIT (Arno Seeli, Anna Schüepp und Erika Eggimann) kümmert sich aber nicht nur um die Herausgabe von neuen, immer überraschenden Ausgaben, sondern auch um ein attraktives Kulturprogramm. Hier drei Vorschläge im Herbst:

An den Tomilser Kulturtagen in Feldis am 11. Oktober 2013
 Die Lesungen mit Moni Thöny (Mitautorin Band 2) und Anna Schüepp (Menschen hinter TÄXTZIT) beginnen ab 20 Uhr im Schulhaus in Feldis. Die musikalische Umrahmung inszeniert Matthias Tscharner.




Exklusiv in der Garage GUT in Maienfeld am 19. Oktober 2013, 19 Uhr
 Aus TÄXTZIT liest Anna Schüepp (Menschen hinter TÄXTZIT) Kurzgeschichten über die Schweiz. Von professionellen, landesweit bekannt werdenden Autorinnen und Autoren verfasst, geht die Authentizität der Buchstabenwerke tief unter die Haut.



Im Klostertorkel in Maienfeld am 14. Dezember 2013, 20 Uhr
 Es liest aus TÄXTZIT Monika Schärer, Kultur- & Reisemoderatorin. Für die musikalische Umrahmung zeichnen Donata Walser (Querflöte) und Nicole Schüepp (Klarinette). In den Lesepausen erwartet Sie darüber hinaus ein reichhaltiges Buffet von Bündner Köstlichkeiten. Das Team von TÄXTZIT freut sich, Sie mit Literatur, Musik und Spezialitäten aus Graubünden zu verwöhnen.

JR – photo-graffeur

Der Franzose JR zählt zu den bekanntesten und angesehensten Streetart-Künstlern der Welt. In seinen Arbeiten stellt er die Frage nach Freiheit und Identität und inwiefern Kunst die Wahrnehmung der Menschen verändern kann.

Seine wichtigste Motivation ist die Interaktion mit anderen Menschen. Bevorzugt realisiert JR Projekte in Slums und Armenvierteln auf der ganzen Welt: von Brasilien bis nach Sierra Leone, von Kenia bis nach Kambodscha gibt er den Ausgegrenzten ein Gesicht, indem er grossformatige Fotografien an die Fassaden kleistert.

Im Jahr 2011 wurde JR für seine kreativen Visionen, die Welt zu verändern, der renommierte amerikanische TED Prize verliehen. Das Preisgeld nutzte er für die Realisierung eines neuen weltweiten Fotoprojekts, mit dem er das Innerste der Welt nach aussen bringen will. Bis heute nahmen über 153‘000 Menschen mit ihren Porträts an «Inside out» teil.

Website: www.jr-art.net

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Die NEULAND-Fanseite gibt es seit November 2010. Wir sehen Facebook für jene, die dort verweilen, als mögliches Forum für einen Austausch zu den Artikeln und Themen. Hier auf NEULAND selbst setzen wir auf Ruhe, Auswahl und Low profile.

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«Fotografie ist eine Bildsprache, die einzige Sprache, die überall in der Welt verstanden werden kann.» – Andreas Feininger

Die Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn zeigt in Kooperation mit dem Andreas Feininger Archiv unter dem Titel «Keep it simple» Fotografien von einem der bedeutendsten und innovativsten Fotografen des 20. Jahrhunderts: Andreas Feininger.

Feininger wurde 1906 als Sohn des deutsch-amerikanischen Malers Lyonel Feininger und einer jüdischen Mutter in Paris geboren. Nach Aufenthalten in Berlin, Dessau, wo sein Vater am Bauhaus unterrichtete, und Zerbst, wo er an der Bauschule Architektur studierte, arbeitete er im Jahr 1932 bei Le Corbusier in Paris. Ein Jahr später zog Feininger nach Stockholm. Dort konnte er sich relativ schnell als gefragter Architekturfotograf etablieren. Mit Ausbruch des Krieges emigrierte Feininger zusammen mit seiner schwedischen Frau und seinem Sohn 1939 nach Amerika, wo er sich anfangs seinen Lebensunterhalt als freier Bildreporter und Fotograf verdiente. Von 1943 bis 1962 arbeitete er als festangestellter Redaktionsfotograf beim LIFE-Magazin.

Andreas Feininger avancierte mit seinen einzigartigen Aufnahmen von New York in den 1940er Jahren zu einem der wichtigsten Fotografen des vergangenen Jahrhunderts. Seine Bilder gelten als Klassiker der Fotografiegeschichte, seine Lehrbücher zur fotografischen Komposition und Fototechnik entwickelten sich zu Standardwerken.

Seit Anfang 2011 ist das Andreas Feininger Archiv Teil des Zeppelin Museums in Friedrichshafen. 

Die Ausstellung dauert noch bis am 6. Oktober 2013. Kunsthalle Vogelmann, Allee 28, 74072 Heilbronn. Öffnungszeiten Di, Mi, Fr 11 bis 17 Uhr, Do 11 bis 19 Uhr, Sa, So 11 bis 17 Uhr.

Website: Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn

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