von Grossjuli bis Grossjuli

Une année d’artiste

Alltag im Atelier, mit Freunden in der Küche, Experimente, Begegnungen mit Kunst, die grosse Welt in Grossvaters kleinen Dosen, Revolution in den Tropen, Feste und Tafelfreuden, Produktionen und Projektionen, Pingpong im Internet, das Wort übernehmen, Reisen und Abenteuer – Bilder aus einem Jahr im Leben einer Künstlerin.

 

13. Juni 2014 Auf einem Hügel über Luzern steht ein eigentümliches Schloss, das Ende des 19. Jahrhunderts als Hotel «Château Gütsch» errichtet wurde. Man gelangte früher mit einer speziellen Standseilbahn hinauf, die heute aber nicht mehr in Betrieb ist.

13. Juni 2014
Auf einem Hügel über Luzern steht ein eigentümliches Schloss, das Ende des 19. Jahrhunderts als Hotel «Château Gütsch» errichtet wurde. Man gelangte früher mit einer speziellen Standseilbahn hinauf, die heute aber nicht mehr in Betrieb ist.

 

14. Juni 2014 Vom Bahnhof aus sieht das Hotel wie ein Märchenschloss aus. Sobald man sich jedoch selber darin bewegt, muss man den Zauber selber herstellen. Ich mache das, indem ich hier für einen Abend ein Openairkino einrichte mit 16mm- Filmen von Willi Burkhart, meinem Grossvater.

14. Juni 2014
Vom Bahnhof aus sieht das Hotel wie ein Märchenschloss aus. Sobald man sich jedoch selber darin bewegt, muss man den Zauber selber herstellen. Ich mache das, indem ich hier für einen Abend ein Openairkino einrichte mit 16mm- Filmen von Willi Burkhart, meinem Grossvater.

 

14. Juni 2014 Kurz bevor die Sonne untergeht und ich endlich den Projektor anwerfen kann, serviert das Restaurant «Sans Table» (HOIO) die «Soupe des voleurs» – eine Lemusische Nudelsuppe mit viel Geschichte und ein wenig geräucherter Kuttel.

14. Juni 2014
Kurz bevor die Sonne untergeht und ich endlich den Projektor anwerfen kann, serviert das Restaurant «Sans Table» (HOIO) die «Soupe des voleurs» – eine Lemusische Nudelsuppe mit viel Geschichte und ein wenig geräucherter Kuttel.

 

28. Juni 2014 Heute werden an der Hochschule für Design und Kunst Diplome und Preise vergeben. Wir stossen mit Orangensaft und Weisswein an, dazu gibt es Chips von «Zweifel» und Musik von gestern. Ich habe mir so eine Diplomfeier an einer Kunsthochschule schon etwas stilvoller vorgestellt – oder phantasievoller auf jeden Fall.

28. Juni 2014
Heute werden an der Hochschule für Design und Kunst Diplome und Preise vergeben. Wir stossen mit Orangensaft und Weisswein an, dazu gibt es Chips von «Zweifel» und Musik von gestern. Ich habe mir so eine Diplomfeier an einer Kunsthochschule schon etwas stilvoller vorgestellt – oder phantasievoller auf jeden Fall.

 

29. Juni 2014 Meine Mitstudentin Laura zeigt mir und ein paar Freunden ihren Lieblingsort unter der Autobahnbrücke in Luzern. Während Autos und Lastwagen über unseren Köpfen hinweg donnern, hören wir Laura zu, wie sie die Landschaft mit Worten zeichnet.

29. Juni 2014
Meine Mitstudentin Laura zeigt mir und ein paar Freunden ihren Lieblingsort unter der Autobahnbrücke in Luzern. Während Autos und Lastwagen über unseren Köpfen hinweg donnern, hören wir Laura zu, wie sie die Landschaft mit Worten zeichnet.

 

3. Juli 2014 Während der Vernissage  der von mir gestalteten Zeitschrift «Kap21 – Künstlerin aus Passion» auf dem Basler Dreispitzareal muss ich mich den Fragen stellen, die ich selbst für das Heft entwickelt habe. Die erste Frage lautet: «Bist du Künstlerin?» – und als zweite folgt sogleich: «Was ist eine Künstlerin?»

3. Juli 2014
Während der Vernissage der von mir gestalteten Zeitschrift «Kap21 – Künstlerin aus Passion» auf dem Basler Dreispitzareal muss ich mich den Fragen stellen, die ich selbst für das Heft entwickelt habe. Die erste Frage lautet: «Bist du Künstlerin?» – und als zweite folgt sogleich: «Was ist eine Künstlerin?»

 

20. Juli 2014 Im Zentrum von Japans nördlichster Insel Hokkaido gibt es ein «World Sheep Museum». Die Tickets dafür werden an einem Automaten verkauft – mein Freund Samuel versteht das System nicht ganz, sofort eilt ihm die Frau vom Empfang zu Hilfe.

20. Juli 2014
Im Zentrum von Japans nördlichster Insel Hokkaido gibt es ein «World Sheep Museum». Die Tickets dafür werden an einem Automaten verkauft – mein Freund Samuel versteht das System nicht ganz, sofort eilt ihm die Frau vom Empfang zu Hilfe.

 

21. Juli 2014 Nach einer vierstündigen Fahrt mit der Fähre von Wakkanai kommen wir auf der Insel Rebun an. Bei der Anlagestelle verkaufen Souvenirläden Kunsthandwerk von den Ureinwohnern, den Ainus. Ich fühle mich ein wenig wie in Zermatt.

21. Juli 2014
Nach einer vierstündigen Fahrt mit der Fähre von Wakkanai kommen wir auf der Insel Rebun an. Bei der Anlagestelle verkaufen Souvenirläden Kunsthandwerk von den Ureinwohnern, den Ainus. Ich fühle mich ein wenig wie in Zermatt.

 

23. Juli 2014 Im Gästezentrum des  Shiretoko Nationalparks im Osten von Hokkaido werden wir ausdrücklich vor Bären gewarnt. Auf der Wanderung beschleicht uns die Angst vor den wilden Tieren wie ein seltsamer Nebel – und nach fünfhundert Metern schon kehren wir um. Bären haben wir natürlich keine gesehen.

23. Juli 2014
Im Gästezentrum des Shiretoko Nationalparks im Osten von Hokkaido werden wir ausdrücklich vor Bären gewarnt. Auf der Wanderung beschleicht uns die Angst vor den wilden Tieren wie ein seltsamer Nebel – und nach fünfhundert Metern schon kehren wir um. Bären haben wir natürlich keine gesehen.

 

25. Juli 2014 In Japan steht noch an den entlegensten Orten ein Automat, aus dem man zum Beispiel Getränke entnehmen kann. Ich frage mich, wer diese ganzen Maschinen immer wieder nachfüllt.

25. Juli 2014
In Japan steht noch an den entlegensten Orten ein Automat, aus dem man zum Beispiel Getränke entnehmen kann. Ich frage mich, wer diese ganzen Maschinen immer wieder nachfüllt.

 

5. August 2014 Im Archiv des Vereins «Lichtspiel» in Bern werden die Filme nicht nur gesammelt und unter besten Bedingungen konserviert, sie werden auch lebendig gehalten, indem man sie im hauseigenen Kino vorführt. Früher hat hier die Garnfabrik «Ryff» die Fäden gesponnen – für die ganze Welt.

5. August 2014
Im Archiv des Vereins «Lichtspiel» in Bern werden die Filme nicht nur gesammelt und unter besten Bedingungen konserviert, sie werden auch lebendig gehalten, indem man sie im hauseigenen Kino vorführt. Früher hat hier die Garnfabrik «Ryff» die Fäden gesponnen – für die ganze Welt.

 

13. September 2014 Der Künstler Przemysaw Branas interessiert sich nicht für Kategorien wie «global» oder «lokal», ihn fasziniert der «geographische Blick», der erfasst, was in allernächster Nähe liegt.  Warum sein Auge am Performancefestival von Giswil schwingenden Bananen folgt, verstehe ich auch nicht ganz – aber schön ist es auf jeden Fall.

13. September 2014
Der Künstler Przemysaw Branas interessiert sich nicht für Kategorien wie «global» oder «lokal», ihn fasziniert der «geographische Blick», der erfasst, was in allernächster Nähe liegt. Warum sein Auge am Performancefestival von Giswil schwingenden Bananen folgt, verstehe ich auch nicht ganz – aber schön ist es auf jeden Fall.

 

13. September 2014 Bei einigen Performances stimmt einfach alles – und doch versteht man nicht, worum es eigentlich geht. Die Performance von Marta Kotwica aus Krakau ist sehr mysteriös – und verzaubert mich ein wenig. Erklären könnte ich sie nicht und so bin ich froh, dass ich sie zeichnen kann.

13. September 2014
Bei einigen Performances stimmt einfach alles – und doch versteht man nicht, worum es eigentlich geht. Die Performance von Marta Kotwica aus Krakau ist sehr mysteriös – und verzaubert mich ein wenig. Erklären könnte ich sie nicht und so bin ich froh, dass ich sie zeichnen kann.

 

13. September 2014 Ich mag es, wenn man mir eine Geschichte erzählt. Ewa Zarzycka aus Lublin erzählt am Performancefestival in Giswil, wie sie in die Innerschweiz gefunden hat und wie ihr die Schönheit der Region die Sprache verschlagen hat.

13. September 2014
Ich mag es, wenn man mir eine Geschichte erzählt. Ewa Zarzycka aus Lublin erzählt am Performancefestival in Giswil, wie sie in die Innerschweiz gefunden hat und wie ihr die Schönheit der Region die Sprache verschlagen hat.

 

15. September 2014 Die Ausstellung «Gotteserfahrung und Teufelsküche» im Kunsthaus Altdorf versammelt allerlei Eigentümliches. Noch unheimlicher und bedrohlicher als die sorgfältig arrangierten Exponate aber sind zwei Holzfiguren, die vor dem Fenster stehen – wie ungebetene Gäste.

15. September 2014
Die Ausstellung «Gotteserfahrung und Teufelsküche» im Kunsthaus Altdorf versammelt allerlei Eigentümliches. Noch unheimlicher und bedrohlicher als die sorgfältig arrangierten Exponate aber sind zwei Holzfiguren, die vor dem Fenster stehen – wie ungebetene Gäste.

 

8. Oktober 2014 Endlich haben Varsha Nair und ich in der Galerie «WTF» in Bangkok alle Exponate für unsere Ausstellung «Monday 2 Monday» platziert. Nun müssen die Kunstwerke noch ins rechte Licht gerückt werden.

8. Oktober 2014
Endlich haben Varsha Nair und ich in der Galerie «WTF» in Bangkok alle Exponate für unsere Ausstellung «Monday 2 Monday» platziert. Nun müssen die Kunstwerke noch ins rechte Licht gerückt werden.

 

10. Oktober 2014 Im zweiten Stock eines ehemaligen Geschäftshauses in der Innenstadt von Bangkok zeigen wir eine Zweikanalvideoinstallation, welche etwas heikel zu bedienen – und gar nicht zu verkaufen ist. Som, die Galeristin,  betreibt eine Bar im Parterre und ist so nicht auf Verkäufe angewiesen.

10. Oktober 2014
Im zweiten Stock eines ehemaligen Geschäftshauses in der Innenstadt von Bangkok zeigen wir eine Zweikanalvideoinstallation, welche etwas heikel zu bedienen – und gar nicht zu verkaufen ist. Som, die Galeristin, betreibt eine Bar im Parterre und ist so nicht auf Verkäufe angewiesen.

 

11. Oktober 2014 Am Wochenende  nach der Vernissage fahren wir zur Erholung an den Strand von Hua Hin. Das Fotografieren aus dem fahrenden Auto heraus erinnert mich an eine Safari. Ich bin der Jäger, der durch das Autofenster seine Beute abschiesst. Das ist unschön – zurückhalten kann ich mich trotzdem nicht.

11. Oktober 2014
Am Wochenende nach der Vernissage fahren wir zur Erholung an den Strand von Hua Hin. Das Fotografieren aus dem fahrenden Auto heraus erinnert mich an eine Safari. Ich bin der Jäger, der durch das Autofenster seine Beute abschiesst. Das ist unschön – zurückhalten kann ich mich trotzdem nicht.

 

11. Oktober 2014 Am früheren Abend kommen wir im Resort in Hua Hin an. Das Licht provoziert eine romantische Stimmung – und es ist eben noch hell genug für eine Aufnahme mit der Lochkamera. Ich weiss schon jetzt, dass das ein super Bild wird.

11. Oktober 2014
Am früheren Abend kommen wir im Resort in Hua Hin an. Das Licht provoziert eine romantische Stimmung – und es ist eben noch hell genug für eine Aufnahme mit der Lochkamera. Ich weiss schon jetzt, dass das ein super Bild wird.

 

22. Oktober 2014 Bei meiner Rückkehr ist der grosse Turm von Herzog & de Meuron wieder ein Stück weiter in den Basler Himmel gewachsen. Der Bau ist hier in Basel schon seit Monaten Stadtgespräch – in Bangkok wäre diese Pyramide nicht viel mehr als «just another Tower».

22. Oktober 2014
Bei meiner Rückkehr ist der grosse Turm von Herzog & de Meuron wieder ein Stück weiter in den Basler Himmel gewachsen. Der Bau ist hier in Basel schon seit Monaten Stadtgespräch – in Bangkok wäre diese Pyramide nicht viel mehr als «just another Tower».

 

23. Oktober 2014 Auf dem Weg in mein Atelier muss ich immer wieder vor Rotlichtern halten. Da ist jede Abwechslung willkommen. Dass so ein schönes Auto unfreiwillig mitten auf der Strasse parkieren muss, kommt allerdings nur selten vor.

23. Oktober 2014
Auf dem Weg in mein Atelier muss ich immer wieder vor Rotlichtern halten. Da ist jede Abwechslung willkommen. Dass so ein schönes Auto unfreiwillig mitten auf der Strasse parkieren muss, kommt allerdings nur selten vor.

 

15. November 2014 Samuels heutiges Kochprojekt ist ein Schweinskopf. Das Teil wiegt fast  10 kg und ist so gross, dass es nur in der Dusche gewaschen werden kann.

15. November 2014
Samuels heutiges Kochprojekt ist ein Schweinskopf. Das Teil wiegt fast
10 kg und ist so gross, dass es nur in der Dusche gewaschen werden kann.

 

15. November 2014 Samuel will den Schweinekopf ganz im Ofen braten. Das Stück ist so mächtig, dass es sich mit der Schnauze in der Oberhitze festkeilt – da hilft nur noch das Messer. Das Schnörrchen gibt es dann einen Tag später separat als Terrine.

15. November 2014
Samuel will den Schweinekopf ganz im Ofen braten. Das Stück ist so mächtig, dass es sich mit der Schnauze in der Oberhitze festkeilt – da hilft nur noch das Messer. Das Schnörrchen gibt es dann einen Tag später separat als Terrine.

 

17.  Dezember 2014 In «La Kunsthalle» in Mulhouse erarbeite ich ein Vermittlungsprojekt. Die Schülerin Larrine hat keinerlei Berührungsängste mit den ausgestellten Werken. Im Workshop bin ich erstaunt, wie offen die Schülerinnen mit der ihr ungewohnten Umgebung umgehen.

17. Dezember 2014
In «La Kunsthalle» in Mulhouse erarbeite ich ein Vermittlungsprojekt. Die Schülerin Larrine hat keinerlei Berührungsängste mit den ausgestellten Werken. Im Workshop bin ich erstaunt, wie offen die Schülerinnen mit der ihr ungewohnten Umgebung umgehen.

 

24. November 2014 Meinen Geburtstag feiern wir dieses Jahr in Wien. Hier ist alles viel grossartiger als zu Hause. Auch die Kaffeehäuser sind viel schöner als in der Schweiz – nur die Gipfeli, die sind bei uns deutlich knuspriger und buttriger. Als Hörnchen taugen aber auch die österreichischen Modelle.

24. November 2014
Meinen Geburtstag feiern wir dieses Jahr in Wien. Hier ist alles viel grossartiger als zu Hause. Auch die Kaffeehäuser sind viel schöner als in der Schweiz – nur die Gipfeli, die sind bei uns deutlich knuspriger und buttriger. Als Hörnchen taugen aber auch die österreichischen Modelle.

 

20. Dezember 2014 Weihnachtszeit. Die Natur wird geschmückt und erfreut so die Leut – mir aber tut sie dabei immer ein wenig leid.

20. Dezember 2014
Weihnachtszeit. Die Natur wird geschmückt und erfreut so die Leut – mir aber tut sie dabei immer ein wenig leid.

 

23. Dezember 2014 Vor dem Centre Pompidou in Paris bietet ein Fotograf mit Fachkamera seine Dienste an – Porträts wie anno dazumal.

23. Dezember 2014
Vor dem Centre Pompidou in Paris
bietet ein Fotograf mit Fachkamera seine Dienste an – Porträts wie anno dazumal.

 

21. Dezember 2014 Wer in einem Zelt sitzt, sieht nicht was draussen vorgeht und ist doch von keiner Mauer davor geschützt. Mir macht das manchmal Angst beim Campen in der freien Natur. Wie es wohl dem SDF geht, der hier sein Zelt vor dem «Monoprix» in der Rue du Temple mitten in Paris aufgestellt hat?

21. Dezember 2014
Wer in einem Zelt sitzt, sieht nicht was draussen vorgeht und ist doch von keiner Mauer davor geschützt. Mir macht das manchmal Angst beim Campen in der freien Natur. Wie es wohl dem SDF geht, der hier sein Zelt vor dem «Monoprix» in der Rue du Temple mitten in Paris aufgestellt hat?

 

24. Dezember 2014 Weihnachten mit Freunden der Freunde. Es wird geredet, ohne sich was sagen zu wollen. Beim Essen endlich haben alle einen Grund zu schweigen.

24. Dezember 2014
Weihnachten mit Freunden der Freunde. Es wird geredet, ohne sich was sagen zu wollen. Beim Essen endlich haben alle einen Grund zu schweigen.

 

25. Dezember 2014 Während meinem Aufenthalt in Paris erreicht mich die Nachricht, dass ich noch in diesem Jahr die erste Illustration für die nächste Kolumne der «Neuen Zürcher Zeitung» liefern muss. Am Weihnachtstag suche ich Spatzen, aber ich finde ganz lange nur Tauben, dann endlich in einem Gebüsch an der Rue de Bretagne…

25. Dezember 2014
Während meinem Aufenthalt in Paris erreicht mich die Nachricht, dass ich noch in diesem Jahr die erste Illustration für die nächste Kolumne der «Neuen Zürcher Zeitung» liefern muss. Am Weihnachtstag suche ich Spatzen, aber ich finde ganz lange nur Tauben, dann endlich in einem Gebüsch an der Rue de Bretagne…

 

28. Dezember 2014 In Cassis gibt es eine eingeschworene Gemeinschaft von Pensionären, die dem Winter trotzen. Kaum streckt die Sonne am Morgen ihre Strahlen über den Horizont, legen sie die Badematten auf dem Kieselstrand aus. Jeder hat, so scheint es, seinen festen Ort – beim Baden aber schwimmen sie kreuz und quer.

28. Dezember 2014
In Cassis gibt es eine eingeschworene Gemeinschaft von Pensionären, die dem Winter trotzen. Kaum streckt die Sonne am Morgen ihre Strahlen über den Horizont, legen sie die Badematten auf dem Kieselstrand aus. Jeder hat, so scheint es, seinen festen Ort – beim Baden aber schwimmen sie kreuz und quer.

 

28. Dezember 2014 Am Hafen in Cassis beobachte ich einen Taucher mit Harpune. Er hat einen Tintenfisch geschossen. Wieder an Land sitzt er erst einige Minuten erschöpft da, dann schlägt er das Tier viele Male gegen einen Felsen. Ich habe gehört, dass ihn das besonders zart machen soll.

28. Dezember 2014
Am Hafen in Cassis beobachte ich einen Taucher mit Harpune. Er hat einen Tintenfisch geschossen. Wieder an Land sitzt er erst einige Minuten erschöpft da, dann schlägt er das Tier viele Male gegen einen Felsen. Ich habe gehört, dass ihn das besonders zart machen soll.

 

2. Januar 2015 Meine Freundinnen Nicole und Chris feiern ihre Hochzeit an der Amerbachstrasse in Basel mit einer grossen Cocktailparty. Neben vielen Drinks und einer Champagnerfontaine gibt es Fliegenpilze aus Eiern und Tomaten.

2. Januar 2015
Meine Freundinnen Nicole und Chris feiern ihre Hochzeit an der Amerbachstrasse in Basel mit einer grossen Cocktailparty. Neben vielen Drinks und einer Champagnerfontaine gibt es Fliegenpilze aus Eiern und Tomaten.

 

14. Januar 2015 Im Diner bei uns um die Ecke posiert Martina für die Kolumne von John Burnside. Darin kommt eine Frau vor, die ich für eine Reisende halte. Doch ich habe da was falsch gelesen. Zum Glück ist meine Freundin bereit, dann nochmals als Kellnerin zu posieren – natürlich ohne Hut.

14. Januar 2015
Im Diner bei uns um die Ecke posiert Martina für die Kolumne von John Burnside. Darin kommt eine Frau vor, die ich für eine Reisende halte. Doch ich habe da was falsch gelesen. Zum Glück ist meine Freundin bereit, dann nochmals als Kellnerin zu posieren – natürlich ohne Hut.

 

20. Januar 2015 Auf der Suche nach einer Mimose stolpere ich im Baumarkt in Basel über antike Skulpturen und andere Figuren. Ich glaube, dass es den Leuten gefällt, solche Wesen hinter den Gebüschen in ihren Gärten zu verstecken. Die Zeichnung ist ok – nur warum gefällt sie mir nicht?

20. Januar 2015
Auf der Suche nach einer Mimose
stolpere ich im Baumarkt in Basel über antike Skulpturen und andere Figuren. Ich glaube, dass es den Leuten gefällt, solche Wesen hinter den Gebüschen in ihren Gärten zu verstecken. Die Zeichnung ist ok – nur warum gefällt sie mir nicht?

 

21. Februar 2015 Die Ausstellung «Voglio vedere le mie montagne», über die Samuel schreiben will, ist Anlass für eine kleine Exkursion nach Galarate in Norditalien. Beim Exponat von Ingeborg Lüscher, einem Fahrrad mit einem Pelz aus Zigarettenstummeln, denke ich an den Zigarettenschmuggel, der früher auch im Wallis rege betrieben wurde.

21. Februar 2015
Die Ausstellung «Voglio vedere le mie montagne», über die Samuel schreiben will, ist Anlass für eine kleine Exkursion nach Galarate in Norditalien. Beim Exponat von Ingeborg Lüscher, einem Fahrrad mit einem Pelz aus Zigarettenstummeln, denke ich an den Zigarettenschmuggel, der früher auch im Wallis rege betrieben wurde.

 

22. Februar 2015 Auch in Domodossola feiert man Fastnacht – aber ganz anders als bei uns in Basel. In Kostüme und Musik wird hier nicht so viel Ernst investiert. Die gleichzeitige Fiesta della Polenta aber lässt alte Traditionen wieder auferstehen – und füllt die Stadt am Morgen schon mit Düften.

22. Februar 2015
Auch in Domodossola feiert man Fastnacht – aber ganz anders als bei uns in Basel. In Kostüme und Musik wird hier nicht so viel Ernst investiert. Die gleichzeitige Fiesta della Polenta aber lässt alte Traditionen wieder auferstehen – und füllt die Stadt am Morgen schon mit Düften.

 

24. Februar 2015 Als Nicht-Fasnächtlerin versuche ich die «Drey scheenschte Dääg im Johr» möglichst zu umgehen. Doch es zieht mich immer wieder, wie von fremder Hand gesteuert, in die Basler Innenstadt – und ich frage mich, was all diese kritischen Zeitgenossen an den restlichen 352 Tagen wohl machen.

24. Februar 2015
Als Nicht-Fasnächtlerin versuche ich die «Drey scheenschte Dääg im Johr» möglichst zu umgehen. Doch es zieht mich immer wieder, wie von fremder Hand gesteuert, in die Basler Innenstadt – und ich frage mich, was all diese kritischen Zeitgenossen an den restlichen 352 Tagen wohl machen.

 

27. Februar 2015 Im Museo «Es Baluard d’Art Modern» in Palma di Mallorca entdecke ich Kostüme von Miró, die er für ein Theaterstück entworfen hat. Ob die Kostüme vom Mittelalterfestival, das diese Tage entlang der Stadtmauer tobt, wohl auch einst als Kunst den Weg ins Museum finden werden?

27. Februar 2015
Im Museo «Es Baluard d’Art Modern» in Palma di Mallorca entdecke ich Kostüme von Miró, die er für ein Theaterstück entworfen hat. Ob die Kostüme vom Mittelalterfestival, das diese Tage entlang der Stadtmauer tobt, wohl auch einst als Kunst den Weg ins Museum finden werden?

 

28. Februar 2015 Im Hotel «Ermita de la Victoria» herrschen protestantische Regeln. Sie gelten aber nicht für den Pfau vor der Tür.

28. Februar 2015
Im Hotel «Ermita de la Victoria» herrschen protestantische Regeln. Sie gelten aber nicht für den Pfau vor der Tür.

1. März 2015 Im Club Pollenca, im gleichnamigen Dorf im Norden von Mallorca, trifft sich am Samstag die Dorfgemeinschaft. Die Männer bleiben unter sich, die Frauen bleiben unter sich – und dennoch sind sie zusammen. Auf mich wirkt hier alles so authentisch – und ich fühle mich immerhin wie ein echter Tourist.

1. März 2015
Im Club Pollenca, im gleichnamigen Dorf im Norden von Mallorca, trifft sich am Samstag die Dorfgemeinschaft. Die Männer bleiben unter sich, die Frauen bleiben unter sich – und dennoch sind sie zusammen. Auf mich wirkt hier alles so authentisch – und ich fühle mich immerhin wie ein echter Tourist.

 

8. März 2015 Im Botanischen Garten in Brüglingen bei Basel hat es im Winter viele Krähen. Ich freue mich, für einmal alle Farben aus meiner Zeichnung weglassen zu können – denn Farben hat es an diesem Tag keine hier.

8. März 2015
Im Botanischen Garten in Brüglingen bei Basel hat es im Winter viele Krähen. Ich freue mich, für einmal alle Farben aus meiner Zeichnung weglassen zu können – denn Farben hat es an diesem Tag keine hier.

 

9. März 2015 Der eingeschränkte Blick sieht manchmal mehr. Deshalb gehe ich gelegentlich mit einem besonderen Hut durch die Welt.

9. März 2015
Der eingeschränkte Blick sieht manchmal mehr. Deshalb gehe ich gelegentlich mit einem besonderen Hut durch die Welt.

 

26. März 2015 Billie war drei Monate als Künstlerin zu Gast in China. Nach ihrer Rückkehr berichtet sie im Kunstraum Kaskadenkondensator, was sie in dieser Zeit besonders wahrgenommen hat.

26. März 2015
Billie war drei Monate als Künstlerin zu Gast in China. Nach ihrer Rückkehr berichtet sie im Kunstraum Kaskadenkondensator, was sie in dieser Zeit besonders wahrgenommen hat.

 

11. April 2015 Im Hotel «Armes de France» in Ammerschwihr scheint die Zeit still zu stehen.

11. April 2015
Im Hotel «Armes de France» in Ammerschwihr scheint die Zeit still zu stehen.

 

12. April 2015 An einem Sonntag in Colmar spielt die Dorfmusik «What a wonderful world». Sie spielt ein bisschen falsch – aber mir laufen die Tränen über die Wangen.

12. April 2015
An einem Sonntag in Colmar spielt die Dorfmusik «What a wonderful world». Sie spielt ein bisschen falsch – aber mir laufen die Tränen über die Wangen.

 

28. April 2015 Im Jardin des Tuileries zischt ein Fussball  haarscharf an meinem Kopf vorbei. Ich drehe mich um und es sieht aus, als hätte eine Skulptur von Maillol den Ball in meine Richtung gekickt.

28. April 2015
Im Jardin des Tuileries zischt ein Fussball haarscharf an meinem Kopf vorbei. Ich drehe mich um und es sieht aus, als hätte eine Skulptur von Maillol den Ball in meine Richtung gekickt.

 

9. Mai 2015  An der Expo in Milano gibt es viele exotische Kulissen, vor denen Mann und Frau sich fotografieren lassen kann. Besonders beliebt ist der Pavillon von Kambodscha.

9. Mai 2015
An der Expo in Milano gibt es viele exotische Kulissen, vor denen Mann und Frau sich fotografieren lassen kann. Besonders beliebt ist der Pavillon von Kambodscha.

 

19. Mai 2015 Produzieren ohne Panik, das ist ein alter Traum von mir. Beim Ausstellungsaufbau mit Chris und Nicole wird er ein wenig wahr.

19. Mai 2015
Produzieren ohne Panik, das ist ein alter Traum von mir. Beim Ausstellungsaufbau mit Chris und Nicole wird er ein wenig wahr.

 

23. Mai 2015 Im Museo Vincenzo Vela in Ligornetto (Abteilung «Schönheit und Allegorie») entdecke ich zwei sich küssende Frauen. Später erfahre ich, dass es sich hierbei um ein Treffen zwischen Frankreich und dem nackt dargestellten Italien handelt – ein Auftragswerk der patriotischen Frauen Mailands, als Geschenk für die Frau Napoleons III.

23. Mai 2015
Im Museo Vincenzo Vela in Ligornetto (Abteilung «Schönheit und Allegorie») entdecke ich zwei sich küssende Frauen. Später erfahre ich, dass es sich hierbei um ein Treffen zwischen Frankreich und dem nackt dargestellten Italien handelt – ein Auftragswerk der patriotischen Frauen Mailands, als Geschenk für die Frau Napoleons III.

 

7. Juni 2015 Im Sommer findet in der Fondation Beyeler in Riehen eine grosse Gauguin- Ausstellung statt. Um  am  7. Juni auf Gaugins 167. Geburtstag anzustossen, haben sich die Verantwortlichen diese Becher besorgt und sie mit rot leuchtendem Hibiskustee gefüllt.

7. Juni 2015
Im Sommer findet in der Fondation Beyeler in Riehen eine grosse Gauguin- Ausstellung statt. Um am
7. Juni auf Gaugins 167. Geburtstag anzustossen, haben sich die Verantwortlichen diese Becher besorgt und sie mit rot leuchtendem Hibiskustee gefüllt.

 

20. Juni 2015 In der Parkanlage des Museums Rietberg in Zürich hat es einen Kopf vom Sockel gehauen. Welcher Kopf da am Boden liegt und was ihn zu Fall brachte, habe ich nicht herausfinden können.

20. Juni 2015
In der Parkanlage des Museums Rietberg in Zürich hat es einen Kopf vom Sockel gehauen. Welcher Kopf da am Boden liegt und was ihn zu Fall brachte, habe ich nicht herausfinden können.

 

20. Juni 2015 In Pfäffikon hat der Künstler Patric Fasel in einem stillgelegten Steinbruch sein Atelier eingerichtet. Vorbild für seine Kreationen ist «Suiseki» – die japanische Kunst, besondere Steine zu finden und ansprechend zu arrangieren.

20. Juni 2015
In Pfäffikon hat der Künstler Patric Fasel in einem stillgelegten Steinbruch sein Atelier eingerichtet. Vorbild für seine Kreationen ist «Suiseki» – die japanische Kunst, besondere Steine zu finden und ansprechend zu arrangieren.

 

24. Juni 2015 Fünfzehn Jahre lang habe ich für die Basler Kultkinos gearbeitet. Im Frühling 2015 wird klar, dass mein Kino im Sommer für immer schliessen wird. Und so kommt irgendwann mein letzter Arbeitstag. Von nun an bin ich nur noch Künstlerin – die Passage ist sehr unspektakulär.

24. Juni 2015
Fünfzehn Jahre lang habe ich für die Basler Kultkinos gearbeitet. Im Frühling 2015 wird klar, dass mein Kino im Sommer für immer schliessen wird. Und so kommt irgendwann mein letzter Arbeitstag. Von nun an bin ich nur noch Künstlerin – die Passage ist sehr unspektakulär.

 

25.Juni 2015 Immer wieder wünsche ich mir, es wäre mir mehr Wurst, was andere von mir denken.

25.Juni 2015
Immer wieder wünsche ich mir, es wäre mir mehr Wurst, was andere von mir denken.

 

29. Juni 2015
Bei den Vorbereitungen unseres Ausflugs in den Altyn Emel Nationalpark im Südosten Kasachstans haben wir ein paar Details übersehen. Also stehen wir nach vier Stunden Fahrt auf holpriger Strasse vor geschlossenen Toren – bevor wir die Rückfahrt antreten, lädt uns der freundliche Wächter zum Tee ein.

 

1. Juli 2015 In Kasachstan braucht jeder Reisende im Grenzgebiet zu China, in dem auch der Nationalpark Zhongar Alatau liegt, ein spezielles Visum. Der Reiseführer empfiehlt, eine Tour über das Office in Sarkand zu buchen. Nach zwei Tagen bekommen wir endlich die Bewilligung, mündlich allerdings nur.

1. Juli 2015
In Kasachstan braucht jeder Reisende im Grenzgebiet zu China, in dem auch der Nationalpark Zhongar Alatau liegt, ein spezielles Visum. Der Reiseführer empfiehlt, eine Tour über das Office in Sarkand zu buchen. Nach zwei Tagen bekommen wir endlich die Bewilligung, mündlich allerdings nur.

 

2. Juli 2015 Für unseren Besuch im Zhongar Alatau bekommen wir zwei Führer und eine Übersetzerin als Begleitung verordnet. Am Eingang zum Park überqueren wir einen Fluss. Hier repariert der Fahrer zum ersten Mal das geländetaugliche Fahrzeug, das wir ebenfalls mit haben buchen müssen.

2. Juli 2015
Für unseren Besuch im Zhongar Alatau bekommen wir zwei Führer und eine Übersetzerin als Begleitung verordnet. Am Eingang zum Park überqueren wir einen Fluss. Hier repariert der Fahrer zum ersten Mal das geländetaugliche Fahrzeug, das wir ebenfalls mit haben buchen müssen.

 

4. Juli 2015 Jede Ortschaft in Kasachstan begrüsst den Besucher mit einem individuell gestalteten Schild. Ich stelle mir vor, dass es ein einziges Atelier gibt, welches Schilder für das ganze Land realisiert. Und ich stelle mir vor, wie die Dorfgemeinschaft in zahlreichen Sitzungen mit dem jeweiligen Künstler bespricht, wie die Sache gestaltet werden soll.

4. Juli 2015
Jede Ortschaft in Kasachstan begrüsst den Besucher mit einem individuell gestalteten Schild. Ich stelle mir vor, dass es ein einziges Atelier gibt, welches Schilder für das ganze Land realisiert. Und ich stelle mir vor, wie die Dorfgemeinschaft in zahlreichen Sitzungen mit dem jeweiligen Künstler bespricht, wie die Sache gestaltet werden soll.

 

12. Juli 2015 An der Kreuzung bei Usharal könnte ich tagelang sitzen, schreiben, zeichnen und beobachten. Solche Kreuzungen, bin ich überzeugt, sind Orte verpasster Chancen und darum ein Fundus von Geschichten.

12. Juli 2015
An der Kreuzung bei Usharal könnte ich tagelang sitzen, schreiben, zeichnen und beobachten. Solche Kreuzungen, bin ich überzeugt, sind Orte verpasster Chancen und darum ein Fundus von Geschichten.

 

16. Juli 2015 Für die «NZZ»- Kolumne von Dieter Meier, in der es meiner Meinung nach um erotische Phantasien geht, kaufe ich mir im Globus in Basel Schuhe für 165 Franken. Einen zeichne ich ab. Mit beiden an den Füssen trete ich dann in meine nächste «année d‘artiste» ein.

16. Juli 2015
Für die «NZZ»- Kolumne von Dieter Meier, in der es meiner Meinung nach um erotische Phantasien geht, kaufe
ich mir im Globus in Basel Schuhe für 165 Franken. Einen zeichne ich ab. Mit beiden an den Füssen trete ich dann in meine nächste «année d‘artiste» ein.

⬆ nach oben