Bedrohte Existenz

Krabatland

Krabatland - Die Sorben in der Lausitz l Krabatowy kraj - Serbja we Lusizy

«Die Sorben stehlen, die Polen saufen, die Tschechen fressen.» Martin Luther

Wer sind die Sorben, die der Reformator Martin Luther in diesem Zitat so pauschal verurteilt? Aus Zufall bin ich über das Zitat von Martin Luther gestolpert. Es liess mich nicht mehr los. Ich wollte mehr über diese Minderheit wissen im Osten Deutschlands in der Lausitz (Sachsen und Brandenburg), wo heute noch rund 60’000 Sorbinnen und Sorben leben. Das alteingesessene slawische Urvolk pflegt immer noch seine eigenen Bräuche und die eigene Sprache – das Sorbisch.

Über einen sorbischen Verein fand ich eine kleine Wohnung in der Lausitz. Wenn ich durch das Dorf spazierte, merkte ich, wie sich die Vorhänge leicht verschoben. Was wollte die Fremde aus dem Westen in diesem fremden Dorf? Ich wusste es selber nicht genau. Die sorbische Sprache liess sich nicht fotografieren, nur Folklore und den Alltag wollte ich nicht fotografieren, eine Reportage war unmöglich. Ich entschied mich für ein Essay. Mehrmals fuhr ich für mehrere Wochen in die Lausitz und liess mich auf das Leben vor Ort ein. Erfuhr mehr über die vielen Bräuche wie beispielsweise die Vogelhochzeit, die gefeiert und in den Kindergärten nachgespielt wird; über die Landschaftsnamen von Flüssen, Seen, Mooren und Wäldern; hörte dem Klang der Sprache zu und liess mich von der Stimmung tragen. Ich sah aber auch, wie sich der Braunkohle-Tagebau langsam und stetig ins sorbische Land hineinfrisst und viele Dörfer abgerissen, gesprengt und abgebaggert werden. Hinzu kommt eine hohe Arbeitslosigkeit, welche die Abwanderung in andere Gebiete Deutschlands beschleunigt. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird die Sprache der Sorben eines Tages nicht mehr gesprochen und die Traditionen der Sorben verschwinden zusammen mit ihren Dörfern.

Dieses Essay soll den Menschen fern der Lausitz die Sorben und ihre vielseitige Kultur näher bringen. Es zeigt mit Bildern von heute, wie Menschen, ihre Geschichte, ihre Kultur und eine Landschaft eine Einheit bilden, wie diese überlebt, sich wandelt und immer wieder höchst gefährdet ist. Die Sorben als alteingesessenes Volk in Deutschland soll nicht noch schneller in Vergessenheit geraten. Die Betonung der Bilder liegt jedoch auf dem «Hier und Heute». Es geht nicht um Larmoyanz, nicht um die Wiederholung von Vorwürfen. Die Sorben stehen in diesem Projekt als ein Beispiel von weltweit vielen Minoritäten, die nicht nur in der Vergangenheit verfolgt, sondern auch heute, und durch die Globalisierung ganz besonders, bedroht sind.

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