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Arrangements

DAS ENDE VOM LIED

Von Iris Spalinger Bachmann

Vielerorts verspielt scheint er, der natürliche Lebensraum von heimischer Flora und Fauna. Als «Fratze des Erfolgsmodells» des eigenen Landes bezeichnet Luca Schenardi das eintönige Landschaftsbild vor seiner Haustür. Immer stärker zurückgedrängt durch die umsichgreifende Zersiedlungslust der gegenwärtigen Zivilisation und die damit einhergehende Intensivierung der Landwirtschaft, fehlt heute so manche Pflanzen- oder Tierart. Ein Umstand, der Schenardi schon von frühester Kindheit an auf seinen Streifzügen durch die Natur zur Suche und Frage nach dem Verbleib von Kräutern, Blumen, Lebewesen – insbesondere von Vögeln und ihrem Gesang – antrieb, die Grossmutters Geschichtenbuch noch kannte.

Mit den Grundlagen der Ornithologie seither vertraut, hat sich der Künstler vor zwei Jahren dem Grossprojekt gestellt, dem Verschwinden der Vögel nachzuspüren und die nach und nach akribisch recherchierten oder erhobenen Daten, die gesammelten Notizen, einen Teil der angefertigten Bilder, Zeichnungen und Skizzen, die gewonnenen Erkenntnisse unter dem Titel «An Vogelhäusern mangelt es jedoch nicht» zu veröffentlichen und damit den Niedergang eines Grossteils der schweizerischen Vogelwelt seit den 1950er-Jahren zu dokumentieren. Der Bildband erscheint im September 2012 in der Edition Patrick Frey.

Unter Einbringung subjektiver Wahrnehmung und persönlicher Stellungnahme in Text und Bild macht er ebenso eindringlich wie eigenwillig begreiflich, wie empfindlich Vögel auf die starken Veränderungen und Störfaktoren in ihrer Umwelt reagieren.

Seinen wissenschaftlich präzise geschaffenen und mit Herzblut beschriebenen Vogelporträts stellt Schenardi collagierte Bildwelten entgegen, die dem Betrachter mittels beissender Gesellschaftskritik und zynischen Humors Szenarien und Resultate materialistisch geprägten Wirkens der modernen Gesellschaft vorsetzen – der Vogel respektive seine Abwesenheit stets als idealer Indikator.

«Einem jeden diejenigen Vögel, die er verdient», so Luca Schenardi frei nach einer Redensart. Ohne den kulturpessimistisch moralischen Fingerzeig, sondern vielmehr wütend und wehmütig entlarvt er mit sezierendem Blick ignorante menschliche Lebensweisen, die in ihrem Bestreben nicht selten mit  Vehemenz für das Aufrechterhalten des Mythos einer naturverbundenen Schweiz einstehen, die Zeugnis ablegen für die schizophrene Beziehung von Mensch und Natur.

Die von Luca Schenardi für Neuland zusammengestellte Auswahl zeigt Arbeiten, die nicht im Kunstband «An Vogelhäusern mangelt es jedoch nicht» enthalten sind.
Das Buch erscheint im September in der Edition Patrick Frey www.editionpatrickfrey.com.
Die Vernissage findet am 5. September im Cabaret Voltaire in Zürich www.cabaretvoltaire.ch statt.
Ausstellung in der Galerie Daeppen www.gallery-daeppen.com vom 25. August bis 26. September.
Webseite von Luca Schenardi: www.lucaschenardi.ch

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