Totschweigen


Rech­nitz – das ist der Na­me ei­nes klei­nen Or­tes di­rekt an der ös­ter­rei­chisch-​un­ga­ri­schen Gren­ze, die lan­ge Zeit der Ei­ser­ne Vor­hang war. Da­hin­ter war der Ost­block. Der Kom­mu­nis­mus. Heu­te ist die Gren­ze of­fen, die Spu­ren ver­wischt. Ei­ne neue Zeit hat be­gon­nen.

Auch an das En­de des 2. Welt­krie­ges er­in­nert kaum noch et­was. Da­bei wur­de Rech­nitz zur Me­ta­pher für Ös­ter­reichs schlam­pi­gen Um­gang mit sei­ner na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­gan­gen­heit. Denn zehn Ta­ge vor En­de des Krie­ges wur­den dort 180 er­schöpf­te und kran­ke jü­di­sche Zwangs­ar­bei­ter in ei­ner ma­ka­bren Mord­ak­ti­on er­schos­sen. Die Mör­der fei­er­ten ein Fest auf dem Schloss der Grä­fin Mar­git Batt­ha­ny in Rech­nitz. Nach dem Tö­ten tanz­ten sie wei­ter.

Die Op­fer wa­ren Ju­den aus Un­garn, die von den Na­zis zur «Ver­nich­tung durch Ar­beit» frei­ge­ge­ben wor­den wa­ren. Sie soll­ten ein Boll­werk bau­en, den Süd­ost­wall, ge­gen die an­rü­cken­de So­wje­ti­sche Ar­mee.

Seit Jahr­zehn­ten sucht die Is­rae­li­ti­sche Kul­tus­ge­mein­de Wien den Ort die­ses Tö­tens, das Mas­sen­grab, in dem die Er­schos­se­nen ver­scharrt wur­den. Doch die Men­schen von Rech­nitz schwei­gen, sie ge­ben kei­ne Hin­wei­se, wo die­ser Ort sein könn­te. Der Film «Tot­schwei­gen» hat die Su­che nach dem Mas­sen­grab vier Jah­re (1989-​1994) lang do­ku­men­tiert. Und wur­de für El­frie­de Je­linek zur In­spi­ra­ti­on für ih­ren Thea­ter­text «Rech­nitz (Der Wür­ge­en­gel)».

Re­gie: Mar­ga­re­ta Hein­rich undEdu­ard Er­ne
Ka­me­ra: Her­mann Dun­zen­dor­fer, Hans Ha­ger, Fritz Kö­berl
Schnitt: 
Paul M. Sed­lacek, Re­gi­na Turk­ka-​Schu­bert
Ton: Oli­ver Stum­mer
Dau­er: 88 Min.
Pro­duk­ti­on: Lu­kas Ste­pa­nik, Roy Da­mes, Die­ter Rei­farth
Pro­duk­ti­ons­fir­ma: Ex­tra­film, Strand­film, Ne­der­lands Film In­sti­tut
Pro­duk­ti­ons­jahr: 1994

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