Schwarzes Gift

Schweizer Strassen als Sondermülldeponien

Wochenlang Wind und Regen ausgesetzt: Ein Haufen mit alten Belägen auf dem Parkplatz Esplanade in Biel, der auf einen Abnehmer wartet. (Foto: Tanja Buchser)
Wochenlang Wind und Regen ausgesetzt: Ein Haufen mit alten Belägen auf dem Parkplatz Esplanade in Biel, der auf einen Abnehmer wartet. (Foto: Tanja Buchser)

Die Schweiz hat ein riesiges Strassennetz und ein grosses Problem: Auf dem Boden kleben Millionen Tonnen hochgiftiger Teer. Der schwarze Stoff macht die Strassenarbeiter krank und vergiftet Böden und Flüsse. Viele alte Beläge werden recycelt statt entsorgt - und etwa mit Agrarsubventioinen in der Landschaft verstreut.

Die Sommerzeit war auch dieses Jahr wieder Asphaltierzeit: Während viele Schweizer irgendwo im Meer badeten oder in den Bergen wanderten, schwitzte ein Heer von Männern in orangefarbenen Arbeitshosen und mit nackten Oberkörpern auf den Strassen. Flimmernde Hitze, metallenes Rattern: Ganze Städte befanden sich wieder im Ausnahmezustand, ganze Strassenzüge wurden regelrecht umgepflügt. Bewirtschaftet sein sollen auch die unzähligen Asphaltstreifen, die das Mittelland durchziehen und bis auf entlegene Alpen reichen.

Willkommen im Asphaltland Schweiz! Fast ein Drittel des besiedelten Gebiets besteht heute aus Fahrbahnen und Parkplätzen. Hierzulande kommen auf einen Quadratkilometer 2700 Meter Strassen. Damit ist die Schweiz Asphalt-Europameisterin.

Diese Asphaltmanie wird mehr und mehr zum Boomerang: Bei Strassensanierungen fallen jährlich über 2 Millionen Tonnen an alten Beläge an.

So türmt sich ein riesiger Müllberg auf, genauer: ein Berg aus Sondermüll, denn in unseren Strassen stecken Pneus und PVC, Flugaschen und Schlacken aus Kehrrichtverbrennungsanlagen. Und in ihnen schlummert Asbest. Der hochgefährliche Stoff wurde im Strassenbau insbesondere verwendet, um die «Verschleissfestigkeit» der Beläge gegenüber Spikes zu erhöhen. Asbest wurde in der Schweiz 1991 verboten.

Den grössten Sondermüllposten stellt jedoch der Teer dar: Millionen Tonnen kleben auf der Schweizer Erde. Laut einem Bericht des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (heute Bundesamt für Umwelt) wurden in der Schweiz von 1926 bis 1991 rund 45 Millionen Tonnen teerhaltiger Beläge hergestellt. Die Teere stammten vor allem aus Schweizer Gaswerken. Nach deren Schliessung wurden sie importiert.

Noch heute fallen laut Schätzungen pro Jahr ganze 400’000 Tonnen «Schollen» mit Teer an. Und davon sind rund 50‘000 Tonnen derart vergiftet, dass sie nach einer Bundesrichtlinie «grundsätzlich» in einer Reaktordeponie entsorgt werden müssten.

Teeropfer

Teer, der bei der Verkokung von Steinkohle entsteht, ist eine äusserst komplexe Mischung aus verschiedensten chemischen Verbindungen. Teer hat einen sehr hohen Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz. PAK können über die Atemwege und die Haut aufgenommen werden. Sie sind krebserregend und schädigen das Erbgut.

All das bedroht zuerst einmal die Menschen, die damit arbeiten. Die Exposition gegenüber Teeren kann zu Lungen- und Hautkrebs führen, wie es in einem Buwal-Bericht heisst. Strassenarbeiter zeigten zudem auch häufiger Symptome wie anormale Müdigkeit, reduzierten Appetit, Augenirritationen und Reizungen im Nasen- und Rachenraum.

Gefährlich für die Gesundheit der Strassenarbeiter sind vor allem die giftigen Teerdämpfe und -stäube. Das Einatmen und der Hautkontakt solcher Stäube sollte deshalb vermieden werden, so die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa).

Laut Empa können zudem beim Heisseinbau von Recyclingmaterial schon kleine Teeranteile zu Dämpfen führen, die deutlich über dem maximalen Arbeitsplatzkonzentrationswert für Benzo(a)pyren liegen, das als besonders krebserregend gilt. Diese Emissionen könnten sich bereits bei einer geringen Temperaturerhöhung verdoppeln. In der Schweiz werden Beläge bis heute zwischen 150 Grad und bis zu 250 Grad eingebaut.

Die Suva gibt auf Anfrage widersprüchliche Zahlen zu den Fällen heraus, die als durch Asphalt ausgelöste Berufskrankheiten anerkannt wurden. Laut den letzten erhaltenen Zahlen wurden zwischen 1985 und 2010 insgesamt 135 solcher Fälle anerkannt. Dabei geht es vor allem um Hautkrankheiten, Lungenerkrankungen, Rachenentzündungen, Asthma, Bronchitis und Tumore.

Während etwa in den Niederlanden für Arbeiter, die mit teerhaltigem Material in Kontakt stehen, eine medizinische Überwachung verlangt wird, sind die Strassenarbeiter in der Schweiz dem schwarzen Stoff bis heute ungeschützt ausgesetzt.

Das sei ja in dem Sinn nicht giftig, sagt ein 52-jähriger Strassenarbeiter, der mit einem Rechen dampfenden Asphalt verteilt. Wichtig seien vor allem schmelzfeste Arbeitsschuhe. Und ein junger Mann, der in T-Shirt und kurzen Hosen und ohne Handschuhe Recycling-Asphalt einbaut, entgegnet: «Mir macht das nichts, man gewöhnt sich daran.» Dabei fügt er lakonisch an: «Ich werde es dann merken, wenn ich 60 bin.»

Vernachlässigt der Bund die Gesundheit der Strassenarbeiter? Man könne davon ausgehen, dass für die Arbeiter keine Gefahr ausgehe, wenn die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden, sagt Kaarina Schenk, Leiterin der Sektion Bodennutzung beim Bundesamt für Umwelt (Bafu).

Die Gefahr besteht jedoch, dass dem nicht immer so ist. Laut dem ETH-Netzwerk Novatlantis werden auf den Schweizer Strassenbaustellen nämlich in der Regel die Luftschadstoffgrenzwerte nicht gemessen.

Vergiftetes Wasser und unfruchtbare Fische

PAK im Asphalt stellen auch eine Gefahr für die Umwelt dar. Die Stoffe können durch das Strassenabwasser in den Boden und in Seen, Flüsse und Bäche gelangen. Dort schädigen sie deren Bewohner. Auch Phenole, die im Teer ebenfalls massenhaft enthalten sind, lösen sich im Wasser – und wirken sich so beispielsweise auf das Reproduktionssystem von Fischen aus.

Bei der Trinkwasseraufbereitung können zudem so genannte Chlorphenole gebildet werden. Gewisse dieser Stoffe sollen auch für den Menschen hormonaktive Wirkung besitzen.

Die Schweizer Gewässerschutzverordnung definiert jedoch bis heute keine Grenzwerte für Abwässer. Und dies obwohl in der Schweiz bereits vor rund 40 Jahren nachgewiesen wurde, dass teerhaltige Beläge in hohem Mass zur Belastung von Boden und Wasser beitragen. Auch in amerikanischen Untersuchungen wurden in Sedimenten von Gewässern, die bei Regenwetter viel Strassenabwasser aus der Stadt mitführen,  eine rund 60 Mal höhere PAK-Konzentration gemessen.

Klaffende Gesetzeslücken

Zwar wurde das «Teeren« der Strassen selbst anfangs der 1990er-Jahre eingestellt, doch bis heute verwenden die Strassenbaufirmen oft teerhaltige Produkte. Im Unterschied zu Deutschland und den Niederlanden gibt es bis heute in der Schweiz für Strassenbauprodukte mit Teer keine Einschränkungen.

Erst jetzt, nach Jahrzehnten des Laisser-Faire, greift der Bund durch: Am 1. Dezember 2012 tritt in der Chemikalienrisikoreduktions-Verordnung ein Verbot für die Herstellung von Belägen mit teerhaltigen Bindemitteln sowie den Verkauf von teerhaltigen Oberflächenbehandlungen und Fugen in Kraft. Allerdings kann das Bafu auf «begründetes Gesuch» Ausnahmen zulassen.

Kontrollen von blossem Auge

Auch im Strassenabbau sind die Schweizer Spielregeln eher locker. Das Recycling von teerhaltigem Asphalt ist national gar nicht gesetzlich geregelt. Es gibt lediglich eine Bauabfallrichtlinie des Bafu, und dort ist vieles eher vage formuliert. Zum Beispiel wird darauf vertraut, dass Bauunternehmen, Kantone und Gemeinden «Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten, frühzeitig begrenzen».

Für eine erste Einschätzung genüge es, die alten Beläge nach Geruch und Farbe auf Teer zu prüfen. Und für die Hersteller von Recyclingasphalt sind «im Normalbetrieb» lediglich «visuelle Kontrollen» vorgeschrieben. Angesichts des riesigen Flickenteppichs aus giftigen Belägen wirken diese Methoden simpel. Die Strasse sei kein Hightechlabor und die Strassenarbeiter seien keine Chemiker, sagt dazu Kaarina Schenk. Auf dem Bau brauche es pragmatische Regelungen.

Wie wenig streng die Teerabfallrichtlinie ist, zeigt sich aber auch in jenen paar Passagen, wo die Sache präziser wird. So wird ein Grenzwert für Recyclingmaterial von 5000 Milligramm PAK pro Kilo im Bindemittel festgelegt. Oder anders: Asphalt mit bis zu 5000 Milligramm pro Kilo im Bindemittel gilt als teerfrei. Dieser Richtwert ist rund doppelt so hoch wie in der EU. Und über 50 Mal so hoch wie in Österreich.

Während in Holland seit 2001 jegliche Verwendung von Ausbauasphalt mit Teer verboten ist, darf hierzulande sogar Stoff mit bis zu 20‘000 Milligramm PAK pro Kilogramm recycelt werden. Und zwar unter einer Bedingung, die an Schummelei erinnert: Dieses stark belastete Material soll derart mit anderen Stoffen vermischt werden, dass das Endprodukt den geltenden Grenzwert nicht überschreitet.

Den rund 40 Asphaltherstellern in der Schweiz ist die liberale Haltung wohl recht. In der Regel besitzen die Strassenbauunternehmen, so etwa auch die Grosskonzerne Implenia und Marti AG, nämlich gleich ihre eigene Belagsaufbereitungsanlage.

Doch die helvetische Teer-Toleranz ist aus mehreren Gründen fraglich. Die Empa findet es zum Beispiel «aus ökologischer Sicht absurd», solches Material überhaupt wiederzuverwenden – denn zugleich liege teerfreier Ausbauasphalt auf Halde. Obendrein drohe die Gefahr, dass die Schweiz «aufgrund des Anforderungsgefälles (…) zum Empfängerland von leicht teerhaltigen Belägen wird», wie die Ostschweizerische Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz warnt. Mit anderen Worten: Material, das an anderen Orten längst verboten ist, wäre immer noch gut genug für uns.

Bund gibt Vorsitz ab

Momentan steht wieder einmal ein Versuch an, das Asphaltrecycling auf Verordnungsstufe zu regeln. Das Bafu schlägt dabei vor, dass stark teerhaltige Anteile – das heisst mit über 5000 Milligramm pro Kilo im Bindemittel – herausgeschleust und dann thermisch behandelt werden.

Doch sieht der ARV anders – also jener Aushub-, Rückbau- und Recyclingverband, der sich für die Förderung des Asphaltkreislaufs einsetzt. «Wir sind für den Status quo. Was will man sonst mit all dem Recyclingmaterial machen?», sagt ARV-Geschäftsführer Bruno Suter. Und der Einfluss seines Verbands auf die Recyclingpolitik ist gross: Wie aus Sitzungsprotokollen hervorgeht, übernahm Suter bei einem früheren Versuch, strengere Regeln für das Asphaltrecycling einzuführen, anstelle des Bundes vorübergehend die Projektleitung und den Vorsitz der Begleitgruppe. Die geplante Revision hat Schiffbruch erlitten.

Einige Kantone und Gemeinden lassen den hoch belasteten Stoff zum Teil bereits heute in einer thermischen Anlage reinigen. Das schwarze Gift wird in Sammelstellen nach Basel gebracht und von dort den Rhein hinunter nach Holland geschifft. Kostenpunkt: rund 100 Franken pro Tonne.

Bis heute zielt die Politik jedoch auf die billigste Lösung ab – die Wiederverwertung von möglichst viel teerhaltigem Recyclingasphalt. Dadurch verringert sich die Masse, die entsorgt werden muss.

Gemäss der Bauabfall-Richtlinie hat das Recycling von alten Belägen insbesondere «im Interesse eines sparsamen Umgangs mit dem nur begrenzt zur Verfügung stehenden Deponieraum (…) eindeutig Priorität».

 Recycling oder Entsorgung?

Doch das Überangebot an Secondhand-Belägen ist gross. Oft warten auf Strassenbaustellen ganze Berge davon auf einen Abnehmer – monatelang. Also wird mehr Recyclingmaterial ins Mischgut geschüttet, man baut in den Strassen dickere Schichten davon ein und füllt damit Baugruben. Beim Unterhalt von Autobahnabschnitten lassen die Bauunternehmer des Bundes die alten Beläge gleich wieder unter der Fahrbahn verschwinden. Und zwar ganz legal, nach gängigen und zugelassenen Verfahren.

In den einzelnen Kantonen wurden mittlerweile eine ganze Reihe von Sonderregelungen geschaffen. So dürfen etwa im Kanton Basel-Stadt «bei grösseren Vorhaben» gar alte Beläge mit über 20‘000 Milligramm PAK pro Kilo im Bindemittel – Sondermüll also – wieder verwendet werden, «sofern alle Vorschriften betreffend Arbeitshygiene und Umweltschutz eingehalten werden».

Auch in der Ostschweiz ist dies «in ökologisch und wirtschaftlich begründeten Einzelfällen» und mit dem Einverständnis der zuständigen Umwelt- und Tiefbauämter möglich. Hier gab es sogar gewisse Bestrebungen, die Grenzwerte für teerhaltigen Recyclingasphalt ganz aufzuheben.

Laut der Ostschweizerischen Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz kommt es heute zudem zu «Materialflüssen» von teerhaltigem Recyclingasphalt von Kantonen mit «höheren» in Kantone mit «geringeren Anforderungen», zu einer Art Teerabfall-Tourismus, also.

Sondermüll in der Landschaft

Viel Recyclingasphalt wird zudem zu Asphaltgranulat verarbeitet – also zu einer Art Kies. Ein grosser Teil landet auf Plätzen, Wald- und Feldwegen, so eine Studie der Ostschweizer Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz, oder der Stoff wird für andere «teils diffuse Anwendungen» genutzt. Seit Jahrzehnten verteilen Gemeinden, Flurgenossenschaften und Bauern die Asphaltsteinchen in der Landschaft, schütten damit Kamille und Schafgarbe am Wegrand zu. Ganze Vorräte lagern neben Scheunen, Ställen und Alphütten. Diese Praxis wird vom Bund sogar über Landwirtschaftssubventionen unterstützt.

In verschiedenen Gemeinden regt sich seit einiger Zeit Widerstand gegen diese unscheinbaren Asphaltsteinchen, die oft erst auf den zweiten Blick als solche erkennbar sind. Nachdem im Rahmen der Sanierung der A1 Matzingen-Winterthur zahlreiche Feld- und Waldwege mit einer Schicht davon überdeckt wurden, wurde im Kanton Thurgau unter dem Druck verschiedener Umweltverbände sowie des Vereins Thurgauer Wanderwege gar ein vorläufiger Einbaustopp für Asphaltgranulat verfügt. Die Verbände opponieren insbesondere dagegen, dass die Gemeinden dieses Asphaltrecycling-Produkt einsetzen, ohne dafür die entsprechende Baubewilligung einzuholen und ohne in Grundwasserschutzzonen die nötigen Vorkehrungen zu treffen.

«Das Thema ist momentan verwaltungsintern hochaktuell», sagt Ueli Salvisberg, Bodenverbesserungs-Experte beim Bundesamt für Landwirtschaft. Wirtschaftlich könne die bisherige Lösung zwar positiv beurteilt werden, in letzter Zeit sei aber Kritik laut geworden. Das Bafu beantrage deshalb ein gesamtschweizerisches Einbauverbot. «Grund ist die Krebsgefahr, die von diesem Material ausgehen kann», so Salvisberg.

Das sind neue Töne. Aus ökotoxikologischer Sicht spreche nichts gegen die Verwendung von Asphaltgranulat: So hatte der Bundesrat noch 2006 auf eine Interpellation von SP-Nationalrätin Hildegard Fässler geantwortet.

Mitte September hat FDP-Nationalrat Kurt Fluri, Präsident der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, in einer Interpellation erneut eine Stellungnahme vom Bundesrat verlangt. Die Antwort des Bundesrates ist hängig.

*Interpellation von Nationalrat Kurt Fluri nach der Erstpublikation der gekürzten Fassung des Artikels in Die Zeit.

 

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Bitumen und Co.

Heute werden die Strassen nicht mehr «geteert», zum Asphaltieren wird heute Bitumen verwendet. Bitumen entsteht durch die Destillation von Erdöl. Dieser Baustoff weist zwar einen bis zu 10‘000 Mal kleineren Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) auf als Teer, er kann jedoch insbesondere grosse Anteile  flüchtige organische Verbindungen (VOC) freisetzen, darunter etwa krebserregende Stoffe wie Benzol, Toluol, Xylol, Ehylbenzol, Trimethylbenzol.

Obwohl zahlreiche Studien belegen, dass kanzerogene Dämpfe nach Herkunft des Erdöls und nach Bitumensorte stark variieren, kann das Bundesamt für Umwelt auf Anfrage nicht sagen, ob und woher Bitumen heute importiert wird.

Gemäss einer Broschüre der Erdölvereinigung stammen pro Jahr etwa 145‘000 Tonnen aus Schweizer Raffinerien.

Auch werden in der Schweiz immer noch Bitumensorten verwendet, die besonders hohe krebserregende Schadstoffemissionen freisetzen. So etwa Oxydationsbitumen und Bitumen aus Polymeren, das heisst aus Kunststoffabfällen wie etwa PVC. Manchen Bitumen werden auch Paraffine und Haft- und Lösungsmittel beigemischt.

Und bereits stehen neue Innovationen an, die den Boden mit giftigen Stoffen anzureichern drohen: So etwa Bitumen, die auf nanotechnologischen Verfahren basieren, und Flüsterasphalt aus Gummigranulat. Trotz umwelttechnischer Bedenken ist die Herstellung von Flüster-Belägen laut Bafu als «technisch notwendige Spezialanwendung» zugelassen. Mit dem «Recycling» von Autopneus im Strassenbau befasst sich auch das Labor Spiez des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz. So sieht man heute auf Grossbaustellen ganze Palette mit Winter- und Sportpneus herumstehen, die hinter Schutzwänden gleich vor Ort «zubereitet» werden.

Es gelangen auch Produkte in den Boden, die in der Schweiz nicht mehr gemeldet sind. So etwa die Bitumenlösung Bimocol S, die insbesondere aus Naphta (Erdöl) besteht. Diese Lösungen enthalten auch Aliphate und (chlorierte) Kohlenwasserstoffe. Auf der Webseite der Schweizer Bitex Bimoid AG wird etwa immer noch für dieses Produkt geworben.

Beim Hauptunternehmen der Marti AG, auf deren Strassenbaustellen verschiedentlich schwarze Fässer mit diesem Produkt gesichtet wurden, wird man auf Anfrage zuerst auf eine andere Strassenbaufirma und schliesslich an die Strassen- und Tiefbau AG Olten verwiesen, einem von 60 Unternehmen des Marti-Konzerns. Bei ihnen in Olten würde dieses Produkt nicht verwendet, sagt Markus Vitelli, Geschäftsführer der STA Olten. Doch die Marti AG sei ein autonomes Unternehmen, für die einzelnen Baustellen seien die Leiter der jeweiligen Filiale verantwortlich.

In der Schweiz figuriert Bitumen auf der Liste zu den Grenzwerten am Arbeitsplatz als krebserregender Stoff in der Kategorie 3 (Teer wurde in die Kategorie 2 klassiert). Diese Kategorie umfasst Stoffe, die wegen ihrer möglichen krebserzeugenden Wirkung beim Menschen Anlass zu Besorgnis geben, über die jedoch ungenügend Informationen vorliegen.

In Deutschland wurde Bitumen 2001 in die Kategorie 2 umgestuft. Das heisst, im Nachbarland bestehen hinreichende Anhaltspunkte dafür, dass dieser Stoff beim Menschen Krebs erzeugen kann.

Illegale  Fässer am Strassenrand

In der Schweiz gelangen auch Produkte in den Boden, die hierzulande nicht mehr gemeldet sind. So etwa die Bitumenlösung Bimocol S, die insbesondere aus Naphta (Erdöl) besteht. Diese Lösungen enthalten auch Aliphate und (chlorierte) Kohlenwasserstoffe. Auf der Webseite der Schweizer Bitex Bimoid AG wird etwa immer noch für dieses Produkt geworben.

Beim Hauptunternehmen der Marti AG, auf deren Strassenbaustellen verschiedentlich schwarze Fässer mit diesem Produkt gesichtet wurden, wird man auf Anfrage zuerst auf eine andere Strassenbaufirma und schliesslich an die Strassen- und Tiefbau AG Olten verwiesen, einem von 60 Unternehmen des Marti-Konzerns. Bei ihnen in Olten würde dieses Produkt nicht verwendet, sagt Markus Vitelli, Geschäftsführer der STA Olten. Die Marti AG sei ein autonomes Unternehmen, für die einzelnen Baustellen seien die Leiter der jeweiligen Filiale verantwortlich.

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