Editorial

Mehrwert im Internet

Geschätzte Neuland-Reisende

Gerne nehmen wir Sie mit dem Video von Bianca Dugaro auf eine morgendliche Zugfahrt von Bern nach Luzern mit. Die vorbeifliegenden Bilder des Emmentals lassen dabei Szenen aus Büchern aufleben, die wir vor vielen Jahren gelesen haben. Wir erinnern uns an das fiktive Dorf Schwant im Emmental, das sich im Krimi «Die Brandnacht» von Sam Jaun von einem idyllischen Ort in eine Feuerhölle verwandelt. An den «Hirschen» im winterlichen Trubschachen, wo sich der Erzähler im Roman von E.Y. Meyer «In Trubschachen» mit dem rigorosen Pflichtbegriff von Immanuel Kant auseinandersetzt. Oder wir erinnern uns an die Intrigen im fiktiven Emmentaler Dorf Vehfreude, die Jeremias Gotthelf in seinem Buch «Die Käserei in der Vehfreude» so unsentimental beschreibt.

Das Internet hat die Medien revolutioniert und viele Online-Magazine entstehen lassen. Sehen, hören, lesen und informiert werden verschmelzen zu einem sinnlichen Magazin-Erlebnis. Online-Magazine tragen zu Medienvielfalt bei. In Regionen mit einer mehr oder weniger eindimensionalen Medienlandschaft sind in der Vergangenheit neue Internet-Tageszeitungen  entstanden. Erst kürzlich, nämlich am 17. Januar 2013, ist zentral+ in der Zentralschweiz (www.zentralplus.ch) online gegangen. Hinter dem unabhängigen Online-Magazin für die Zentralschweiz steht ein Verein, eine Aktiengesellschaft und eine Stiftung mit dem Namen M.M.V. (Medien, Meinungen, Vielfalt: www.mmv-online.ch).

Seit einem halben Jahr sorgen das Journal B in Bern (www.journal-b.ch) und seit anderthalb Jahren die TagesWoche (www.tageswoche.ch) in Basel für mehr Medienvielfalt. Seit etwas mehr als zwei Jahren berichtet infosperber (www.infosperber.ch) über News, Politik und Gesellschaft. Herausgegeben wird infosperber von der «Schweizerischen Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» (SSUI, www.ssui.ch). Allen Online-Magazinen gemeinsam ist, dass sie die jeweiligen Medienmonopole aufbrechen, unabhängige Berichterstattung ins Zentrum stellen und zu einer Verbesserung der öffentlichen Debatte beitragen möchten.

Wir von Neuland (www.neulandmagazin.net) begrüssen diese Initiativen sehr und möchten durchaus mit etwas Stolz darauf hinweisen, dass wir bereits seit November 2010 im Internet unterwegs sind. Neuland erschliesst neue, multimediale Räume. Das Engagement von Neuland ist es, im Internet neue Publikationsmöglichkeiten für nachhaltigen Journalismus und Dokumentarfilm, für nachhaltige Fotografie und Kunst zu nutzen und zu entwickeln.

In dieser neuen Ausgabe von Neuland nehmen wir Sie nicht nur auf eine Reise durch das Emmental und die neuen Online-Zeitungen und -Magazine mit, sondern entführen Sie wiederum in Welten darüber hinaus.

Das Staubsauger-Duell von Judith Dobler macht dabei den Auftakt. Die Journalistin Susanna Schanda gibt uns Einblick in ihr soeben erschienenes Buch «Literatur der Rebellion», in dem sie aufzeigt, welche Rolle die ägyptischen Autorinnen und Autoren bei der Revolution spielten und in welchem weiteren zeitlichen Kontext die Revolution steht. Aufrüttelnde Musik hat uns der Lausanner Secondhand-Plattenladenbesitzer Kevin Shaw in seinem Mixtape zusammengestellt und der Zürcher Fotograf Giuseppe Micciché führt uns mit seinem Foto-Portfolio Emigrazione in eine Zeit, die noch nicht lange zurückliegt. Die Bilder sind eine Hommage an seinen Vater, der mit vielen anderen Italienerinnen und Italienern in die Schweiz emigrierte und hier mit seiner Arbeit wesentlich zum Aufbau der heutigen Schweiz beigetragen hat. Statt eines Grusses aus London schickt uns Hans Stofer dieses Mal einen Gruss aus dem südlich von London gelegenen Guilford. Chantal Molleur wiederum lässt uns vertieft in die Geschichte der Schweizer Videokunst blicken.

Wir hoffen, wir können Sie mit unserer Reise in kleine und grosse und sinnliche Welten begeistern.

Für das Neuland-Herausgeberinnen-Team

Judith Stofer

Zürich, 19. April 2013

Prüfender und zugewandter Blick: Kolumnist Steffen Lietz.

Seit Neulands Stunde Null ist Steffen Lietz mit an Bord des Abenteuers Neuland: Seit November 2010 hat er in jeder Ausgabe jeweils zwei Bücher im Zeichen von «Eins & Ewig» besprochen. Ein Kompendium ist so entstanden, ein Bücherschatz, eine grandiose Grundlage, ein digitales Regal nur erstklassiger Bücher, auf die zurückzugreifen kann, wer wieder einmal zögern sollte, welcher Wälzer, welcher Gedichtband, welcher Roman oder welches Fotobuch es wirklich wert ist. Alles ist möglich, das überzeugt: Der Germanist hat keine Berührungsängste.

Steffen Lietz’ «Erste Wahl» galt dabei in den letzten zweieinhalb Jahren sowohl Neuerscheinungen wie den grossen, bleibenden Werten – bekannten oder zwischenzeitlich schon wieder unbekannten Klassikern, revisited. 
Seine 25 (!) sorgfältigen Buchbesprechungen und 10 Shortcuts bleiben – er selbst wendet sich neuen Projekten zu. Das NEULAND-Herausgeberteam möchte Steffen für seine immer präzise geschriebenen Buchempfehlungen herzlich danken. Les grandes oeuvres voyagent en nous. So bleibt auch Lietz’ «Erste Wahl» weiter dabei, beim Abenteuer NEULAND, als Kompass, als Rückgrat, als Rückzugsort und Ausgangspunkt für neue und erneuete Entdeckungen. Vielen herzlichen Dank! Anita Hugi 

P.S. Auf das Buch folgt der Film. Wir freuen uns, in Fortsetzung eine Filmkolumne anzukündigen.  

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