Was tun?

Editorial

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Michael Blaser, Am Fluss

Der Sommer ist definitiv vorbei, der Herbst steht vor der Tür – und eine neue Nummer von NEULAND!

Der Dauerregen in diesem Sommer hat auch unseren Flüssen zugesetzt, hat sie in gewaltige braune Fluten verwandelt. Der legendäre Aare-Sack blieb dieses Jahr im Schrank – ein Jammer für alle Berner und anderen Flussmenschen, die den Sommer normalerweise an und in ihrem Fliessgewässer verbringen.

Bei Neuland können Sie den verregneten Sommer nachholen! Tauchen Sie ein in die wunderschönen sommerlichen Stimmungen an der Aare, der Sense und dem Schwarzwasser, die der Fotograf Michael Blaser eingefangen hat und die dieses Jahr so rar waren.

In der aktuellen Neuland-Ausgabe geht es vor allem um Syrien, um Migration und die Mechanismen der Unterdrückung sowie die Frage der individuellen Verantwortung.

In Syrien herrscht Krieg – und die Schweiz sieht weg. So etwa könnte man die Schweizer Migrationspolitik beschreiben.

Bereits zehn Jahre bevor in Syrien die Luft von Schüssen zerrissen wird, hat der syrische Schriftsteller und Drehbuchautor Nihad Sirees den Roman «The Silence and the Roar» (auf Deutsch erschienen unter dem Titel: Ali Hassans Intrige) herausgegeben. Sirees beschreibt darin, wie Diktator Hafes al-Assad, der Vater von Baschar al-Assad, mit lauter Propaganda und Gewalt die Massen orchestriert. Der Protagonist des Buches, der Schriftsteller Fathi Schîn, versucht, dem totalitären Regime die Stirn zu bieten und setzt sich auch für die Opfer ein. Sein Leben wird zum Spiessrutenlauf. Lesen Sie auf NEULAND einen Auszug aus dem Roman, der auf erschreckende Weise aktuell ist.

Um die Frage nach der individuellen Verantwortung, nach dem individuellen Engagement in einer Diktatur geht es auch im Dokumentarfilm «Villa Air Bel» von Jörg Bundschuh. Der junge amerikanische Journalist Varian Fry hat im 2. Weltkrieg als Abgesandter des US-«Emergency Rescue Committee» in Marseille eine illegale Flüchtlingsorganisation aufgebaut – und über 2000 verfolgte Künstler gerettet.

«Das Boot ist voll» hiess es damals in der Schweiz. Auch heute verhalten wir uns in der Schweiz wie in einer Festung, die es gegen den Ansturm von Flüchtlingen zu verteidigen gilt. Das ist eine Umkehrung der Tatsachen: Nicht die Notleidenden sind die Opfer, sondern WIR sind die Opfer der Migration.

Um Migration und Rassismus geht es auch im Interview des Publizisten und Filmkritikers Walter Ruggle mit dem äthiopischen Filmregisseur Haile Gerima. «Ras­sis­mus trifft dich im Kern dei­nes Menschseins», sagt Haile Gerima. Für ihn ist das Filmemachen auch eine Form von Widerstand, um kulturelle Werte zu erhalten, die abgewertet werden.

Dürrenmatt im Iran? Während in der Schweiz das iranische Kino und Theater populär ist, trifft im Gegenzug Schweizer Literatur im Iran auf grosses Echo. Mehr erfahren Sie im Kurzinterview mit dem in Teheran lebenden Schriftsteller Mahmoud Hosseini Zad, der zahlreiche Schweizer Autoren ins Persische übersetzt hat.

Das Cover «Die Sau klaut» stammt von den beiden Künstlerinnen Chris Regn und Lena Eriksson und stellt eine Selbstverständlichkeit unserer Gesellschaft die Frage: den Besitz.

Das Mixtape hat die Künstlerin Sandra Knecht zusammengestellt: Ton ab für «The Beast within»!

Viel Spass bei den akustischen, visuellen und geistigen Aus- und Höhenflügen wünscht

Euer NEULAND-Teamhttp://betulum.com/just-how-to-publish-a-two-page-report-in-one/

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